Digitale Ablenkung: Verlernen wir, uns zu konzentrieren?

Vor rund 100 Jahren entwickelte der Erfinder und Science-Fiction-Autor Hugo Gernsback einen Holzhelm, der an das Kopfstück eines alten Taucheranzugs erinnert. Er sollte seinen Träger von äußeren Ablenkungen abschirmen. Solche Einflüsse, so sagte Gernsback, seien »die größte Schwierigkeit, mit der der menschliche Geist zu kämpfen hat«. Sein Isolationshelm half ihm zwar wohl tatsächlich beim Konzentrieren, erschwerte jedoch das Atmen, weshalb er noch einen Sauerstofftank anschloss.
Gernsbacks seltsame Erfindung setzte sich nicht durch, was wenig überrascht. Die Sorge, dass wir uns durch äußere Einflüsse zunehmend schlecht konzentrieren können, ist inzwischen aber keineswegs verschwunden, sondern hat sich im digitalen Zeitalter sogar noch massiv verschärft: Smartphones vibrieren, Meldungen poppen auf, und die Zahl geöffneter Browser-Tabs wächst ins Unüberschaubare. Umfragen zufolge fühlen wir uns schneller abgelenkt, Lehrer berichten von unkonzentrierten Schülern, und Medien diagnostizieren eine schwindende Aufmerksamkeitsspanne.
Psychologische und neurowissenschaftliche Untersuchungen zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild. Entsprechenden Studien zufolge springen Menschen heute tatsächlich häufiger von einer Aufgabe zur nächsten als in den vergangenen Jahrzehnten. Und dieses Umschalten geht auf Kosten der Leistungsfähigkeit. Es gibt aber kaum Hinweise darauf, dass die grundlegende Konzentrationsfähigkeit des Gehirns beeinträchtigt ist. Das legt den Schluss nahe: Wenn wir Ablenkungen aus unserer Umgebung ausschalten, können wir uns auch besser fokussieren.
»Ich glaube, es gibt eine große Diskrepanz zwischen dem, was wir empfinden, und dem, was tatsächlich passiert«, sagt die Psychologin Monica Rosenberg von der University of Chicago in Illinois.
Der Erfinder Hugo Gernsback (1884–1967) hat einen hölzernen Helm entwickelt, der die Nutzer vor jeglichen Störreizen abschirmen soll. Da die Luft darin schnell verbraucht ist, hat er eine Sauerstoffflasche angeschlossen.
Mythos Aufmerksamkeitsspanne
»Viele Menschen haben das Gefühl, sich nicht konzentrieren zu können«, sagt Nilli Lavie, kognitive Neurowissenschaftlerin am University College London. »Sie sagen, sie seien ständig abgelenkt und ihre Aufmerksamkeit springe von einer Sache zur nächsten.«
In einer Umfrage aus dem Jahr 2021 unter mehr als 2000 Erwachsenen in Großbritannien gab fast die Hälfte an, ihre Aufmerksamkeitsspanne sei kürzer geworden. Und zwei Drittel meinten, bei jungen Menschen habe sie grundsätzlich abgenommen. Lehrkräfte und Schulen weltweit reagierten darauf, indem sie Unterrichtsthemen in leichter verdauliche Häppchen aufteilten. Manche Schüler bekommen mittlerweile nur noch Auszüge aus literarischen Werken zu lesen statt ganzer Bücher.
Die Idee, so etwas wie eine durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne zu bestimmen, klingt zunächst sinnvoll. Doch in der Diskussion dazu vermischen sich unterschiedliche Konzepte. Fachleute unterscheiden zwischen zwei Aspekten: der Fähigkeit, die eigene Aufmerksamkeit gezielt zu steuern, sich beispielsweise auf eine bestimmte Aufgabe zu konzentrieren, und dem tatsächlichen Verhalten im Alltag: Worauf fokussiert sich eine Person in verschiedenen Situationen?
Hinzu kommt, dass das Konzentrationsvermögen das Ergebnis mehrerer Prozesse im Gehirn ist. Dazu zählen die Daueraufmerksamkeit (englisch: sustained attention), also die Fähigkeit, über längere Zeit bei einer Aufgabe zu bleiben, sowie die selektive Aufmerksamkeit, mit der wir Prioritäten setzen und Unwichtiges ausblenden. Dazu kommt die exekutive Kontrolle. Dank ihr fokussieren wir uns auf bestimmte Ziele und nicht auf besonders verlockende Reize.
Bei einer Umfrage unter Erwachsenen in Großbritannien aus dem Jahr 2021 war die Mehrheit der Meinung, die eigene Aufmerksamkeitsspanne sei kürzer geworden – ebenso wie die von jungen Menschen allgemein. Die Fragen ließen jedoch offen, ob gemeint war, wie gut man sich prinzipiell konzentrieren kann, oder wie lange man sich im Alltag tatsächlich konzentriert.
Was Laborstudien über Konzentration verraten
Fachleute messen diese Fähigkeiten unter kontrollierten Laborbedingungen. Sie erfassen zum Beispiel, wie gut jemand über längere Zeit eine monotone Aufgabe erledigt. Ein Prüfstein für die Daueraufmerksamkeit ist etwa der »d2-Test«: Die Versuchsperson sieht dabei auf einem Bildschirm Reihen der Buchstaben d und p, von denen einige ein oder zwei kurze senkrechte Striche darüber oder darunter aufweisen. Sie soll den Buchstaben d nur dann markieren, wenn zwei Striche darunter stehen.
Viele Studien zeigen, dass die Leistung bei solchen Aufgaben nach etwa zehn Minuten nachlässt, wobei der Abfall nicht gleichmäßig verläuft: Selbst bei scheinbar stabiler Aufmerksamkeit schwankt die Leistung von Natur aus zwischen Phasen guter und schlechter Konzentration.
Außerdem verschlechtert eine ablenkende Umgebung – etwa Geräusche von schreienden Babys und bellenden Hunden – die kognitive Leistungsfähigkeit bei Tests dieser Art. Untersuchungen zufolge treten beispielsweise Verkehrsunfälle häufiger auf, wenn Autofahrer am Steuer telefonieren.
Es gibt aber keine Hinweise darauf, dass sich das Konzentrationsvermögen grundlegend verändert hat, also selbst dann, wenn man keinerlei Ablenkung ausgesetzt ist. Allerdings unterscheidet sich die Leistung bei einzelnen Personen. Wer häufig mehrere Medien gleichzeitig nutzt, schneidet bei Tests zur selektiven Aufmerksamkeit schlechter ab, weil er irrelevante Informationen weniger ausblenden kann. Bei Tests zu Arbeitsgedächtnis und exekutiver Kontrolle zeigen sich ähnliche Effekte.
Dieser Befund spiegelt jedoch möglicherweise nur wider, dass Personen mit unterschiedlichen Aufmerksamkeitsmustern von Natur aus eher dazu neigen, den Fokus häufiger zu wechseln. Die Ursache muss also nicht in der digitalen Umgebung liegen. Und obwohl in den vergangenen Jahren die Diagnosen der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zugenommen haben, führen Forscher das meist auf ein größeres Bewusstsein für die Symptome sowie einen besseren Zugang zu Untersuchungsverfahren zurück – nicht auf eine grundlegend veränderte Aufmerksamkeit.
Insgesamt liefern Labordaten keine überzeugenden Belege dafür, dass Menschen sich allgemein schlechter konzentrieren können, etwa weil ihre Aufmerksamkeitsspanne im Lauf der Zeit abgenommen hat. Eine Metaanalyse, die Ergebnisse von d2-Tests mit mehr als 21 000 Personen aus 32 Ländern zwischen 1990 und 2021 auswertete, fand über die Jahre keine Unterschiede bei Kindern und sogar eine leichte Verbesserung bei Erwachsenen.
»Die menschliche Biologie hat sich wohl kaum verändert, eher unsere Gewohnheiten. Und die Frage ist, wie gut sich diese Gewohnheiten wieder rückgängig machen lassen«, sagt der Psychologe Nelson Cowan von der University of Missouri in Columbia.
Mit dem d2-Test überprüfen Fachleute, wie gut sich Probanden über längere Zeit konzentrieren können. Heutzutage führt man ihn am Computerbildschirm durch.
Kürzere Aufmerksamkeit als ein Goldfisch
Die stärksten Hinweise auf eine veränderte Aufmerksamkeit liefern Beobachtungen des alltäglichen Verhaltens von Menschen. Seit zwei Jahrzehnten untersucht die Psychologin Gloria Mark von der University of California in Irvine, wie Büroangestellte Computer nutzen. Ihre Studien, basierend auf direkter Beobachtung und digitalem Tracking, zeigen, dass die durchschnittliche Dauer, die Beschäftigte einer einzelnen Aufgabe widmen, stetig abnimmt. »Wir wissen, dass sich die Aufmerksamkeitsspanne am Bildschirm messbar verkürzt hat«, sagt sie.
Mark hatte beispielsweise gezählt, wann und wie oft die Leute zwischen Aufgaben wechseln: Wie oft öffnen sie einen neuen Browser-Tab, gehen sie in ein anderes Dokument, schauen sie in ihre Mails oder aufs Handy? Mitte der 2000er-Jahre verharrten Beschäftigte im Schnitt etwa zweieinhalb Minuten bei einer Bildschirmaufgabe, bevor sie wechselten. In den 2010er-Jahren sank der Wert auf etwa 75 Sekunden, und Anfang der 2020er auf nur 47 Sekunden.
Oft taucht in diesem Zusammenhang ein Marketingbericht von Microsoft Canada aus dem Jahr 2015 auf. Darin heißt es, die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne des Menschen sei von zwölf Sekunden im Jahr 2000 auf acht Sekunden im Jahr 2013 gesunken. Sie sei damit kürzer als die eines Goldfischs, der laut Bericht neun Sekunden lang bei der Sache bleibe. Die Ergebnisse basieren auf Umfragen, Videoaufnahmen und Messungen per Elektroenzephalografie (EEG). Bei Letzterer zeigen charakteristische Ausschläge der Hirnstromkurve an, wenn eine Versuchsperson ihren Fokus wechselt. Allerdings spiegeln die Daten eher veränderte digitale Gewohnheiten als kognitive Grenzen wider und deuten sogar darauf hin, dass Menschen heute Informationen effizienter verarbeiten. Abgesehen davon rückt der Bericht Goldfische in ein unnötig schlechtes Licht: Es gibt keine Hinweise darauf, dass ihre Aufmerksamkeitsspanne außergewöhnlich kurz ist.
»Wenn Menschen immer wieder von einem Fokus zum nächsten wechseln, und das auch noch schnell, machen sie mehr Fehler«Gloria Mark, Psychologin
Wie Marks Forschung zeigt, verursacht häufiges Umschalten kognitive Kosten. »Wenn Menschen immer wieder von einem Fokus zum nächsten wechseln, und das auch noch schnell, machen sie mehr Fehler«, sagt sie. »Sie brauchen länger für jede einzelne Aufgabe, als wenn sie diese nacheinander erledigen würden, und der Stress steigt.« Ständiges Umschalten verändert zudem die Art der Denkleistung. Mark zufolge reflektieren wir dann weniger, wägen seltener ab und nutzen unser Arbeitsgedächtnis weniger effizient. So stellt sich häufig das Gefühl ein, viel zu tun, ohne wirklich voranzukommen.
Auch schon frühere Generationen befürchteten, neue Technologien könnten die Konzentrationsfähigkeit untergraben – zu Unrecht. »Aber jetzt befinden wir uns im digitalen Zeitalter, und ich behaupte, es ist anders«, sagt Mark: Sowohl die Menge verfügbarer Informationen als auch die Geschwindigkeit, mit der wir darauf zugreifen, haben sich verändert. Entscheidend ist zudem, dass sich die Art der konkurrierenden Reize gewandelt hat. Die moderne Umwelt bringt uns nicht nur Ablenkungen – sie bombardiert uns mit Alternativen, die unmittelbare Belohnung versprechen. Menschen wechseln zunehmend häufig die Aufgabe und richten ihre Aufmerksamkeit immer wieder neu aus, weil sie sich dafür entscheiden, selbst wenn sie es nicht merken.
Ablenkung von innen
»Wenn die Alternativen wirklich vielversprechend sind, fällt es sehr schwer, sich auf etwas anderes zu konzentrieren, das subjektiv mehr Aufwand erfordert«, sagt der Neurowissenschaftler Michael Esterman von der Boston University in Massachusetts.
»Vielversprechend« heißt allerdings nicht zwangsläufig, dass Eltern, Lehrkräfte oder Vorgesetzte das genauso sehen. Benachrichtigungen, Chats und Social Media liefern dem Gehirn kleine Schübe sozialer Bestätigung und den Anreiz, permanent auf dem neuesten Stand zu bleiben.
Laut Mark verändert eine solche digitale Umgebung unsere Aufmerksamkeitssteuerung. So könne die Tendenz entstehen, auch ohne offensichtliche Ablenkung abzuschweifen. Marks Forschung legt nahe, dass Unterbrechungen nicht nur von außen kommen, etwa durch das Piepen einer eingehenden Nachricht. »Menschen unterbrechen sich ungefähr genauso oft selbst, wie sie unterbrochen werden«, so die Psychologin. Und wenn äußere Störungen einmal abnehmen, häufen sich dafür oft innere. Ablenkung und Umschalten können demnach zur Gewohnheit werden und die Aufmerksamkeit zunehmend zersplittern.
So verändert sich das Gehirn
Alltagsstudien wie die von Mark sind zu komplex, um verlässliche Daten zu einzelnen kognitiven Prozessen zu liefern. Die Neurowissenschaftlerin Nilli Lavie befürchtet dennoch, das ständige Umschalten könnte mit einer schwächeren exekutiven Kontrolle einhergehen. Das bringe womöglich langfristige Veränderungen im Gehirn mit sich.
Ihre Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Fähigkeit, die eigene Aufmerksamkeit zu steuern, mit strukturellen Merkmalen im Gehirn zusammenhängt. Insbesondere geht es hierbei um die Menge an grauer Substanz – die vor allem die Zellkörper von Neuronen enthält – in einigen Regionen des Frontallappens. Messungen per Magnetresonanztomografie (MRT) sowie Verhaltenstests zeigen: Menschen mit mehr grauer Substanz in diesen Bereichen schneiden bei solchen Aufgaben besser ab, bei denen man sich über längere Zeit konzentrieren und Ablenkungen widerstehen muss. Aus dem Volumen der grauen Substanz lässt sich die Leistung in Konzentrationstests recht gut vorhersagen. Wahrscheinlich tragen sowohl genetische Einflüsse als auch langfristige Erfahrungen zu dieser anatomischen Besonderheit bei.
Im Prinzip könnten solche Messungen sichtbar machen, wie sich das Konzentrationsvermögen im Lauf der Zeit verändert oder zwischen Personengruppen unterscheidet. Lavie hat hierzu allerdings keine Daten vorliegen. Sie schließt aber nicht aus, dass die Art und Weise, wie man seine Aufmerksamkeit steuert, Spuren im Gehirn hinterlässt. Man könne seine Konzentration trainieren, dann bleibe das Volumen der grauen Substanz hoch. »Oder man lässt es sein, und sie schrumpft«, vermutet Lavie.
Die kognitive Neurowissenschaftlerin Nilli Lavie erklärt einer Probandin, wie sie einen Aufmerksamkeitstest ausführen soll. Ein Elektroenzephalograf (EEG) misst die Hirnaktivität.
Monica Rosenberg untersucht ein anderes neuronales Merkmal der Aufmerksamkeit. Mithilfe funktioneller MRT, die indirekt die Hirnaktivität erfasst, identifizierte ihr Team sogenannte Konnektivitätsmuster verschiedener Hirnregionen – etwa des frontoparietalen Kortex, subkortikaler Strukturen sowie des Kleinhirns. Derartige Muster zeigen an, wie effizient die Areale zusammenarbeiten.
Bestimmte Vernetzungsmuster sind wiederum Marker dafür, wie gut eine Person bei Aufgaben zur Daueraufmerksamkeit abschneidet. Und sie zeigen sich überraschend verlässlich, unabhängig vom Individuum, von der Bevölkerungsgruppe oder dem klinischen Hintergrund, etwa bei Menschen mit ADHS. Mit ihrer Hilfe lässt sich sogar erstaunlich gut vorhersagen, wie gut Menschen in Aufmerksamkeitstests abschneiden werden, selbst wenn sie zuvor nie getestet wurden. Wiederholte Messungen bei denselben Personen könnten zeigen, ob sich das Konzentrationsvermögen mit der Zeit verändert. Rosenbergs Studien liefern allerdings bisher nur Momentaufnahmen.
Wie kann man seine Konzentration verbessern?
Wie aber können wir unser eigenes Konzentrationsvermögen verbessern? »Ich denke, dass es viel effektiver ist, unsere Umgebung zu verändern als uns selbst«, sagt Rosenberg. Man kann zum Beispiel bekannte Ablenkungsquellen beseitigen, vor allem solche, die schnelle Belohnungen versprechen. In manchen Studien schneiden Menschen schon dann bei kognitiven Aufgaben schlechter ab, wenn sie ihr Smartphone bloß in der Tasche haben, selbst wenn es stummgeschaltet ist.
Da unser Fokus von Natur aus zu besonders belohnenden Reizen tendiert, kann auch Folgendes funktionieren: Man steigert künstlich den Wert der aktuellen Aufgabe. So verringern etwa kleine Belohnungen für Genauigkeit und Ausdauer bei Aufmerksamkeitstests die Fehlerrate und verlangsamen den Leistungsabfall, der natürlicherweise mit der Zeit eintritt. Im Beruf können beispielsweise Feedback zur Leistung der Mitarbeiter, interne Wettbewerbe und klare Ziele dazu beitragen, dass die Beschäftigten Genauigkeit und Ausdauer für wichtig halten. Und ganz allgemein hilft das Gefühl, dass die eigene Arbeit von Bedeutung ist.
Wenn unsere Aufmerksamkeit tatsächlich von unseren Gewohnheiten abhängt, wie Gloria Mark annimmt, dann gilt es, diese Gewohnheiten zu verändern. Wer Techniken wie Achtsamkeit beherrscht, bemerkt offenbar schneller, wenn die Gedanken abschweifen, und kann sie gezielt zurückholen. Auch kurze Pausen können die Leistung wiederherstellen.
Und Ablenkung ist nicht immer das einzige Problem. Laut kontrollierten Laborstudien schweifen unsere Gedanken selbst ohne äußere Störungen ab – oft ohne dass wir es bemerken. Esterman, der diese Schwankungen seit Jahren untersucht, sieht darin einen nützlichen inneren Vorgang: Das Flackern der Aufmerksamkeit könne helfen, den Kopf von Sorgen zu befreien. Studien zufolge machen uns Phasen des Abschweifens zudem kreativer und helfen beim Planen und Problemlösen, weil das Gehirn dabei Ideen entwickelt.
Die Daueraufmerksamkeit ist also schon von Natur aus nicht das, was ihr Name suggeriert: volle Konzentration über lange Zeit. Sie ist nicht nur von unvermeidlichen Aussetzern durchzogen, sondern wird ebenso durch Stimmung, Stress, Schlaf und Angst geprägt. All das beeinflusst sowohl die Leistung als auch die Art und Weise, wie Menschen ihre eigenen Aussetzer bewerten. Momente, in denen die Konzentration versagt, prägen sich besonders stark ein, während man Phasen, in denen man fokussiert arbeitet, oft kaum wahrnimmt.
Vor allem aber zeigen die stabilen Ergebnisse in den Laborexperimenten, dass wir trotz der vielen Ablenkungen der modernen Welt weiterhin konzentriert arbeiten können, wenn es darauf ankommt. »Wir richten unsere Aufmerksamkeit nach unseren Zielen aus«, sagt Mark. Die eigentliche Frage lautet also: Welche Ziele verfolgen wir heute?
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