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ADHS: Konzentrationshilfe mit Folgen

Dauerhafte Ritalingabe erhöht die Anzahl der Dopamintransporter.

Terminchaos, verlegte Dokumente, Anspannung und impulsive Reaktionen – all das macht Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zu schaffen. Der Wirkstoff Methylphenidat – besser bekannt als Ritalin – verspricht Abhilfe und ist seit zwei Jahren hier zu Lande auch für die Behandlung von Erwachsenen mit ADHS zugelassen. Bei ihnen ist die Signalübertragung des Neurotransmitters Dopamin gestört; Methylphenidat blockiert jene Transportermoleküle, die den Botenstoff aus dem synaptischen Spalt befördern.

Wissenschaftler um Gene-Jack Wang von der Stony Brook University (USA) untersuchten nun, wie sich die Gehirne von 18 erwachsenen ADHS-Patienten im Lauf einer einjährigen Behandlung mit Methylphenidat veränderten. Die Daten verglichen sie mit denen von 11 gesunden Kontrollpersonen, die kein Ritalin erhalten hatten. Mit Hilfe der Positronenemissionstomografie (PET) stellten die Forscher fest, dass sich die Dichte der Dopamintransporter im ventralen Striatum, einem Teil des Belohnungssystems, über den Behandlungszeitraum deutlich erhöhte.

Vor der Methylphenidat-Gabe unterschied sie sich zwischen ADHS-Patienten und Gesunden nicht. Ganz anders ein Jahr später: Bei den mit Ritalin Behandelten stieg die Zahl der Dopamintransporter im ventralen Striatum um fast ein Viertel. Offensichtlich hatten sich die Hirnzellen der Patienten an die medikamentöse Blockade angepasst und entsprechend mehr Transportermoleküle produziert.

Bisher galt ein Überschuss an Dopamintransportern als typisches Merkmal von ADHS. Wang und seine Kollegen vermuten dagegen, dass dieser vielmehr auf die Ritalinbehandlung zurückgeht. Bei längerer Methylphenidat-Einnahme wirke das Medikament wohl deshalb immer schwächer, so dass die Dosis erhöht werden muss. Setzen ADHS-Patienten Ritalin ganz ab, könnten sich Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität auf Grund der erhöhten Transporterdichte sogar noch verschlimmern. Demnach hilft das Mittel zwar kurzfristig, für eine nachhaltige Besserung sollten Betroffene aber auf andere Strategien setzen – etwa ein gezieltes Training per Kognitiver Verhaltenstherapie.

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