Direkt zum Inhalt

News: Kostbare Energie

Bei Zugvögeln ist Energiesparen Trumpf: So fliegen vollgefressene Knutts effizienter als ihre dünnen Artgenossen, während Pelikane ihren Energieverbrauch durch das Fliegen in Formation optimieren.
Eigentlich ahnt und hofft man es ja schon lange: Diätwahn und Einzelkämpfertum sind keine dauerhaften Überlebensstrategien, sondern lediglich Modeerscheinungen. Dass zumindest bei Zugvögeln reichliche Mahlzeiten und Teamarbeit beim Fliegen die Chancen erhöhen, auch nach Tausenden von Kilometern gesund und munter das Reiseziel zu erreichen, bewiesen jetzt gleich zwei Forscherteams.

Anders Kvist [1] und seine Kollegen von der Lund University ließen Knutts (Calidris canutus) aus der Familie der Schnepfenvögel im Windkanal fliegen und maßen die Sauerstoff-Veränderungen im Stoffwechsel. Die Zugvögel bestehen vor Beginn ihrer Wanderung aus bis zu 40 Prozent Fett. Dabei variieren Tiere derselben Art stark im Gewicht. Schwerere Exemplare müssen besonders beim Start eine höhere Leistung erbringen, weshalb man bisher vermutete, dass sie den dünnen Artgenossen gegenüber im Nachteil sind.

Doch sie nutzen das "Mehr" an Energie effektiver: Knutts passen die Größe ihrer Flugmuskeln dem Gewicht an. Aus den Ergebnissen mit Calidris canutus erklären sich die Forscher auch, warum gerade viele Küstenvogelarten mit großen Energiereserven und damit hohem Gewicht bis zu 4000 Kilometer ohne Unterbrechung zurücklegen können.

Dagegen machte sich die Arbeitsgruppe um Henri Weimerskirch [2] vom Centre National de la Recherche Scientifique in Villiers en bois die Ergründung der von Gänsen bekannten V-Formation zum Ziel. Erklärungsversuche zu diesem Phänomen kommen aus zwei Richtungen: Einerseits aus der verhaltenskundlichen, die bei den Vögeln große Vorteile durch das Fliegen in einer geschlossenen Gruppe unter Führung eines erfahrenen Leittiers vermutet. Andererseits aus der Aerodynamik: Deren Grundsätze scheinen den synchronisierten Flügelschlag im Verband effektiver als den Einzelflug zu machen. Stichhaltige Beweise fehlten jedoch bisher beiden.

Messungen der Herzfrequenz bei Rosapelikanen (Pelecanus onocrotalus) zeigten den Forschern nun, dass bei formationsfliegenden Tieren das Herz langsamer schlug und auch die Flügelschlagzahl abnahm. Dafür segelten die Tiere öfter im energiesparenden Gleitflug. Also müssen die Vögel im Verband weniger mechanische Kraft und insgesamt weniger Energie zum Fliegen aufwenden. Das Lager der Aerodynamiker erhält somit Rückendeckung, wobei klar ist, dass auch die Führung eines erfahrenen Leittiers wesentlich zum Überleben der anderen beiträgt.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte