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News: Kräftig eingeheizt

Überschüssige Kalorien speichert unser Körper als Fett oder wandelt sie direkt in Wärme um. Welche molekularen Komponenten das Signal zur Wärmeproduktion regulieren, konnte jedoch jetzt erst aufgedeckt werden.
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Wer würde sich nicht auch gerne des öfteren seinen Gelüsten nach Pizza, Chips und Schokolade reuelos hingeben? Doch der übermäßige Genuss solcher Kalorienbomben rächt sich oft postwendend: Vornehmlich um den Bauch und die Hüften tummeln sich dann ungeliebte Fettpolster und Speckröllchen. Bei immer mehr Menschen führen ungesunde Essgewohnheiten sogar zu massivem und gesundheitsbedrohlichem Übergewicht – für viele ein Spiegel unserer Wohlstandsgesellschaft. Doch wieso bleiben die einen trotz gesunden Appetits gertenschlank und andere nehmen allein schon vom Anblick eines Sahnetörtchens zu?

Eine Frage, die sich nicht nur übergewichtige Menschen stellen, sondern auch zahlreiche Wissenschaftler. Die Antwort – so vermuten sie – verbirgt sich hinter dem Phänomen der ernährungsbedingten Thermogenese. Dabei geht man davon aus, dass unser Gehirn die zwar leckeren aber überschüssigen Kalorien wahrnimmt und deshalb sofort ein Programm startet, welches die potentiellen Fettkissen im wahrsten Sinne des Wortes verheizen soll.

Die nicht benötigten Energiepakete werden dabei zum großen Teil im so genannten braunen Fettgewebe vernichtet, dessen Zellen – im Vergleich zu weißem Fettgewebe – mit übermäßig vielen Mitochondrien angereichert sind. Diese wandeln die Energie aus den Nahrungsbaustoffen jedoch nicht wie ihre Kollegen im übrigen Körper in lebenswichtiges ATP um, sondern lassen sie scheinbar ungenutzt als Wärme verpuffen.

Was auf den ersten Blick verschwenderisch anmutet, schützt uns jedoch davor, überflüssige Kilogramm mit uns herumzuschleppen. Forscher nahmen daher schon lange an, dass ein Defekt dieser körpereigenen "Zusatzheizung" der entscheidende Grund für die Fettleibigkeit vieler Menschen sein könnte. Auch Eric Bachman und seine Kollegen vom Beth Israel Deaconess Medical Center gingen diesem Verdacht nach. Sie interessierten sich dabei vor allem für die so genannten ß-adrenergen Rezeptoren. Diese Membranproteine empfangen die Botschaften des sympathischen Anteils unseres vegetativen Nervensystems und sind folglich in allen durch derartige Nervenfasern befehligten Geweben verbreitet.

Lagen die Forscher mit ihrer Vermutung richtig, so sollten genetisch veränderte Mäuse ohne ß-adrenerge Rezeptoren überschüssige Kalorien nicht mehr in Wärme umwandeln können. Ein Ernährungstest brachte es dann ans Licht: Wurden die rezeptorlosen Mäuse mit fett- und zuckerreicher Kost verwöhnt, gingen sie relativ zügig in die Breite, wohingegen ihre normalen Artgenossen nur einige Pölsterchen ansetzten. Bei kalorienreduzierter Ernährung fiel der Effekt jedoch weitaus weniger dramatisch aus.

Damit konnten die Forscher etwas beweisen, was viele Arbeitsgruppen vor ihnen schon mehrfach vergeblich versucht hatten. "Dass dieser Signalweg über die ß-adrenergen Rezeptoren existieren muss, war schon seit längerem bekannt", räumt Bachman ein "aber bis jetzt konnte noch keiner bestätigen, dass damit auch die ernährungsbedingte Wärmeproduktion reguliert wird."

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