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Vogelzug: Kraftakt über der Wüste

Die Reise von Europa nach Westafrika und wieder zurück verlangt Singvögeln viel ab. Immer wieder entdecken Biologen neue überraschende Energieleistungen.
TrauerschnäpperLaden...

Fernreisende Zugvögel aus Europa müssen zwei große naturräumliche Hürden überwinden, um in ihr afrikanisches Winterquartier zu gelangen: das Mittelmeer und die Sahara. Beide bieten nur wenige Rastplätze, an denen man sich ausruhen oder die Reserven auffüllen kann. Dennoch gingen viele Ornithologen lange davon aus, dass die Tiere zumindest die Wüste in mehreren Etappen durchqueren – indem sie tagsüber im Schatten rasten und nachts die günstigeren Bedingungen für die Reise ausnutzen. Neue und noch leistungsfähigere Technologien revolutionieren jedoch dieses Bild: Mit Hilfe kleinster Datenaufzeichnungsgeräte konnten Janne Ouwehand und Christiaan Booth von der Universität Groningen die Route und die Flugleistung westeuropäischer Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca) auf dem Weg in die Sahelzone entschlüsseln – mit einem beeindruckenden Ergebnis. Die Biologen hatten 80 der Vögel mit den kleinen Geräten ausgerüstet, von denen 27 wieder ins niederländische Brutgebiet zurückgekehrt sind und immerhin die Hälfte brauchbare Daten mitgebracht hatte. Über diese konnten die Forscher ermitteln, wann sich die Vögel wo aufgehalten hatten und zu welcher Tageszeit sie sich fortbewegten.

Entgegen der bisherigen Annahmen ruhten die Trauerschnäpper in der Regel tagsüber gar nicht. Stattdessen zogen sie in 40 bis 60 Stunden meist nonstop über die Sahara hinweg nach Süden – obwohl tagsüber höhere Temperaturen und kräftigere Winde in der Wüste auftreten, was wiederum stärker an den gespeicherten Energievorräten zehrt. Allerdings nutzen sie die Route über die Sahara nur im Frühling, während sie im Herbst eine Strecke wählen, die sie über den Atlantik führt. Sie pausieren dabei unter anderem auf den Kanarischen Inseln, wo sie zu dieser Zeit zur Hauptbeute von Eleonorenfalken werden, die Jagd auf Zugvögel machen. Gleichzeitig nutzen sie dabei die Passatwinde aus, die nach Südwesten gerichtet sind. Wenn sie ins Brutgebiet zurückkehren, weichen sie der Hitze aus, indem sie in höheren Atmosphärenschichten fliegen. Zudem werden sie dort von Rückenwinden unterstützt, die im Gegensatz zu den bodennahen Passatwinden eher nordwärts blasen. Der tägliche Auf- und Abstieg würde sie daher vielleicht mehr Kraft kosten als der direkte Flug. Während ihrer Nonstopflüge legen die Tiere zwischen 2200 und 2600 Kilometer zurück, was sie je nach Ausgangsort bis an die Nordgrenze der Wüste bringt.

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