Direkt zum Inhalt

Anhaltende Trauerstörung: Der Verlust eines Haustieres kann stark belasten

Auch der Tod eines geliebten Tieres könnte pathologische Trauer auslösen. In Diagnosemanualen taucht dies allerdings nicht auf.
Ein hölzerner Behälter mit einer Pfotenabdruck-Verzierung steht auf einem Tisch, umgeben von brennenden Kerzen und orangefarbenen Blumen. Die Szene vermittelt eine ruhige und respektvolle Atmosphäre, möglicherweise im Rahmen einer Gedenkfeier für ein Haustier.
Der Verlust eines geliebten Tieres wiegt teils so schwer wie der eines Menschen.

Seit 2022 gibt es die Diagnose der »anhaltenden Trauerstörung« für Menschen, die ungewöhnlich stark mit einem persönlichen Verlust zu kämpfen haben. Um sie zu stellen, muss unter anderem noch viele Monate nach dem Todesfall der Alltag der Betroffenen deutlich beeinträchtigt sein. Sie erhalten dann Psychotherapie, in manchen Fällen auch Medikamente.

Für die Trauer um verstorbene Tiere kam diese Diagnose bislang nicht infrage – dabei kann die Bindung zu einem Haustier ähnlich eng sein wie zu einem Menschen, heißt es in einer Studie der irischen Maynooth University.

Der Psychologe Philip Hyland befragte 975 Erwachsene aus dem Vereinigten Königreich, die weitgehend repräsentativ für die britische Bevölkerung waren. Die Teilnehmenden gaben an, welche Sterbefälle in ihrem Umfeld sie bereits miterlebt hatten und welcher Verlust sie am meisten belastet hatte.

Hund und Katze können Familienmitglieder sein

Etwa ein Drittel der Befragten hatten den Tod eines geliebten Haustieres erlebt. Fast alle von diesen Teilnehmenden hatten außerdem auch schon einmal um einen verstorbenen Menschen getrauert. Dennoch gab jede fünfte dieser Personen an, der Tod des Tieres sei für sie der bislang schmerzhafteste gewesen. Rund acht Prozent dieser Befragten erfüllten zudem die Diagnosekriterien für eine anhaltende Trauerstörung.

Tiefer gehende statistische Auswertungen zeigten, dass das Muster der Störung genauso aufgebaut war wie bei einer Trauerstörung nach dem Verlust eines Menschen, etwa in Bezug auf intensive Sehnsucht nach dem Verstorbenen oder anhaltende emotionale Taubheit. Menschliche und tierische Trauerfälle würden demnach grundlegend ähnlich verarbeitet, so Hyland. Allerdings sei starke Trauer in Bezug auf Haustiere gesellschaftlich weniger anerkannt. Dies führe dazu, dass Betroffene keine gezielte therapeutische Unterstützung erhielten.

  • Quellen
Hyland, P., PLOS ONE 10.1371/journal.pone.0339213, 2026

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.