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Nach Waldbränden: Krebs erregendes Benzol im Trinkwasser

Nach einem verheerenden Waldbrand muss die Wasserversorgung eines Ortes in Kalifornien aufwändig saniert werden. Die Ursache des Problems ist unklar - und damit auch seine Bedeutung für andere Orte.
Waldbrand in Santa Clarita, KalifornienLaden...

Nach dem größten Waldbrand in seiner Geschichte kämpft der US-Bundesstaat Kalifornien mit einem gravierenden Problem: Das Trinkwasser des betroffenen Ortes Paradise ist mit gesundheitsschädlichen Chemikalien belastet. Im Durchschnitt enthalten die Proben das 31-Fache des gesetzlichen Grenzwerts an Benzol, einem aromatischen Kohlenwasserstoff, der verschiedene Krebserkrankungen wie Leukämie auslösen kann. Betroffen sind nach einem Bericht von »Chemical & Engineering News« über 10 000 Leitungen mit einer Länge von insgesamt 280 Kilometern. Die betroffenen Systeme zu erneuern, könnte nach Schätzungen zwei Jahre dauern und bis zu 300 Millionen US-Dollar kosten. Es ist der zweite Vorfall dieser Art, nachdem bereits 2017 im Ort Santa Rosa nach einem großen Waldbrand Benzol im Trinkwasser gefunden wurde.

Der Ort Paradise wurde im November 2018 beim »Camp Fire« in einem Feuersturm völlig zerstört, mindestens 50 Menschen starben; erst seit Ende März 2019 wird der Ort wieder aufgebaut. Das kontaminierte Trinkwasser wird den Wiederaufbau wohl weiter verzögern. Die Ursache des Problems ist zudem noch völlig unklar – vermutlich spielen Wasserleitungen aus Kunststoff eine Rolle, die beim Verbrennen oder Schmelzen organische Schadstoffe freisetzen. Da Kalifornien Erdbebengebiet ist, benötigt man für die Leitungen solche flexiblen Materialien. Möglich sei aber auch, dass durch den hohen Wasserbedarf und den Druckabfall giftige Gase ins System gelangten, so der Ingenieur Andrew Whelton von der Purdue University in West Lafayette im Bundesstaat Indiana.

Unklar sei außerdem, ob die beiden Orte tatsächlich die einzigen waren: Ohne standardisierte Trinkwassertests könne man nicht sicher sein, wie häufig das Problem in von Waldbränden betroffenen Orten auftritt. In Deutschland ist die Situation trotz der ungewöhnlich frühen Waldbrände im Frühjahr 2019 ohnehin anders: Zum einen wird Wasser regelmäßig auf Schadstoffe getestet, und zum anderen reichen weit weniger dicht besiedelte Gebiete in Gefahrengebiete hinein. Allerdings steigt auch hier zu Lande die Brandgefahr, so dass man ein vergleichbares Risiko für Waldgrundstücke bisher nicht völlig ausschließen kann – zumindest solange die Ursache des Benzolproblems in Kalifornien nicht aufgeklärt ist.

19/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 19/2019

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