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News: Krebs in der Speiseröhre durch aggressiven Sauerstoff?

Bestimmte Veränderungen an der Schleimhaut der Speiseröhre gelten als Vorstufe des Speiseröhrenkrebses. Nun haben Wissenschaftler herausgefunden, dass bereits in dieser Phase die Ausstattung mit Enzymen, denen eine Schutzfunktion gegen aggressive Sauerstoffverbindungen zukommt, gravierend verändert ist. Vor allem der Abbau dieser Verbindungen außerhalb der Zellen ist beeinträchtigt. Dies könnte ein wichtiger Mechanismus bei der Krebsentstehung sein. Außerdem entwickelten die Forscher eine neue Behandlungsmethode, deren Erfolg sich aber erst noch in Langzeitversuchen bestätigen muss.
Nach wie vor bestehen für Menschen, die an Speiseröhrenkrebs leiden, nur sehr schlechte Aussichten. Eine Chance auf Heilung gibt es nur dann, wenn der Tumor in einem sehr frühen Stadium erkannt wird, in dem er meist noch keine Beschwerden verursacht.

Eine bestimmte Form des Speiseröhrenkrebses, das Adenokarzinom, hat in den vergangenen 20 Jahren unter allen bösartigen Erkrankungen die stärkste Zunahme erfahren. Untersuchungen in Schottland haben zudem gezeigt, dass auch eine bestimmte Veränderung an der Schleimhaut der Speiseröhre – nach ihrem Entdecker Norman R. Barrett als "Barrett-Syndrom" bezeichnet – seit 1983 um etwa das 30-fache zugenommen hat. Diese Veränderung ist als Vorstufe für das Adenokarzinom der Speiseröhre aufzufassen. Welche Ursachen dem Anstieg zu Grunde liegen und welche Mechanismen dann zur Krebsentstehung führen, ist bis heute weitgehend ungeklärt.

Vieles spricht laut Hubert Mörk von der Medizinischen Poliklinik der Universität Würzburg dafür, dass es hoch reaktive Sauerstoffverbindungen sind, die in der Speiseröhre vermehrt Schädigungen der Zellen und der Erbsubstanz DNA hervorrufen. Wie Mörk und Josef Köhrle im Rahmen eines von der Wilhelm Sander-Stiftung (München) geförderten Projekts gezeigt haben, liegen bereits bei einer noch gutartigen Stufe des Barrett-Syndroms gravierende Veränderungen bei der Ausstattung mit Enzymen vor, denen eine Schutzfunktion gegen aggressive Sauerstoffverbindungen zukommt.

Eine besondere Bedeutung scheinen dabei die verschiedenen Formen der Glutathionperoxidase zu haben: Diese Enzyme bewerkstelligen den Abbau von reaktiven Sauerstoffverbindungen. Die bisherigen molekularbiologischen Untersuchungen der Würzburger Wissenschaftler haben gezeigt, dass beim Barrett-Syndrom vor allem der Abbau von reaktiven Sauerstoffverbindungen außerhalb der Zellen beeinträchtigt ist, was dann deren Schädigung begünstigt. Das könnte ein wichtiger Mechanismus bei der Entstehung des Adenokarzinoms der Speiseröhre sein.

Sollte sich diese Annahme bestätigen, so hätte dies für das therapeutische Vorgehen beim Barrett-Syndrom grundlegende Konsequenzen. Erste klinische Studien von Mörk und anderen Arbeitsgruppen haben gezeigt, dass die Barrett-Erkrankung durch eine neue Therapieform beseitigt werden kann: Über ein Katheter wird das Edelgas Argon in die Speiseröhre eingebracht und durch ein spezielles Verfahren auf 180 Grad Celsius erhitzt. Dadurch werden die oberflächlichen Zellschichten zerstört. Anschließend kann, in Verbindung mit einer medikamentösen Begleittherapie, die Schleimhaut der Speiseröhre wieder nachwachsen.

Nach den bisherigen Untersuchungen von Mörk und Köhrle weist die neu regenerierte Schleimhaut hinsichtlich der Ausstattung mit Glutathionperoxidasen keine Abnormalitäten mehr auf. Allerdings sei der Wert dieser Therapie noch nicht in Langzeituntersuchungen bestimmt worden – ein Vorhaben, das die Wissenschaftler von der Medizinischen Poliklinik in Zusammenarbeit mit den Chirurgen der Universität angehen wollen.

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