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Krebsmedizin: Krebsüberlebende tragen höheres Erkrankungsrisiko

Wer als junger Mensch ein Tumorleiden überstanden hat, muss in den Folgejahren mit einem erhöhten Krebsrisiko rechnen. Fachleute empfehlen, den Betroffenen bessere Vorsorgeangebote zu machen.
Illustration von zwei sich teilenden Zellen, die durch einen leuchtenden Spalt verbunden sind. Die Zellen sind rosa und zeigen verzweigte Strukturen, die sich in die Umgebung erstrecken. Der Hintergrund ist blau und strukturiert, was eine mikroskopische Ansicht suggeriert. Die Darstellung betont den Prozess der Zellteilung und die Verbindung zwischen den Zellen.
Eine Krebszelle teilt sich und bringt zwei Tochterzellen hervor (Illustration).

Menschen, die als Jugendliche oder junge Erwachsene eine Krebserkrankung überstanden haben, tragen im späteren Leben ein erhöhtes Risiko, erneut Krebs zu bekommen. Das belegt die Studie eines Forschungsteams um Miranda Fidler-Benaoudia von der University of Calgary (Kanada). Die Fachleute schreiben, dass bei solchen Patientinnen und Patienten ein früheres Screening – also zeitigere Vorsorgeuntersuchungen – angeraten sein könnte.

Nach einer überstandenen Krebserkrankung kann es vorkommen, dass Jahre später ein neues Krebsleiden auftritt. Das liegt unter anderem daran, dass die Behandlung der ersten Tumorerkrankung oft langfristige Folgen hat, die das generelle Krebsrisiko erhöhen. Chemo-, Strahlen-, Hormon- und Immuntherapien wirken sich nicht nur auf den behandelten Tumor aus, sondern schädigen immer auch einige gesunde Körperzellen. Diese können später entarten und einen neuen Tumor hervorbringen.

Das Forschungsteam hat die Daten sämtlicher Personen ausgewertet, die in der kanadischen Provinz Alberta zwischen 1983 und 2017 eine Krebsdiagnose erhalten hatten, und zwar in einem Alter zwischen 15 und 39 Jahren. Insgesamt schloss die Studie rund 24 500 Menschen ein, die im Schnitt 7,4 Jahre lang nachbeobachtet wurden. 1442 dieser Personen – das entspricht sechs Prozent – erhielten während der Nachbeobachtungszeit mindestens eine neue Krebsdiagnose. Das ist ein doppelt so hoher Anteil wie bei Personen, die während ihrer frühen Lebensjahre nicht von einem Tumorleiden betroffen waren.

Neu auftretende Krebserkrankungen betrafen vor allem diejenigen, die in ihrer Jugend ein Tumorleiden der Brust oder des blutbildenden Systems überstanden hatten. Bei ihnen kam es in späteren Lebensjahren besonders häufig zu Brust-, Darm- oder Lungenkrebs. »Überlebende von Hodgkin-Lymphomen(Krebserkrankungen des blutbildenden Systems, Anm. d. R.) und Brustkrebs tragen ein besonders hohes Risiko für eine nachfolgende neue Krebserkrankung«, schreiben die Fachleute. »Diese Ergebnisse stimmen mit früheren Studien überein und spiegeln die bekannten Spätfolgen von Strahlen-, Chemo- und Hormontherapien wider.«

Fidler-Benaoudia und ihr Team schreiben, dass es bei Überlebenden von Tumorerkrankungen geboten sein könnte, die Krebsvorsorgeuntersuchungen zeitiger durchzuführen. Dank solcher Screenings lassen sich Krebserkrankungen oft schon im Frühstadium erkennen, in dem eine erfolgreiche Behandlung noch möglich ist. Weil auch genetische Faktoren das Krankheitsrisiko beeinflussen, ist es laut den Fachleuten wichtig, Krebsüberlebende genetisch zu beraten und ihnen dabei zu helfen, einen gesunden Lebensstil aufrechtzuerhalten.

  • Quellen
Fidler-Benaoudia, M. et al., Canadian Medical Association Journal 10.1503/cmaj.251381, 2026

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