Direkt zum Inhalt

Medikamente: Kritik an Studie zu Hormoneinfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die im Oktober veröffentlichte Schlussfolgerung, die Pille schütze Frauen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, beruht möglicherweise auf ungeeigneten Daten. Damals hatten Forscher um Rahi Victory von der Wayne State University in Detroit auf einer Tagung berichtet, sie hätten bei einer Auswertung der langjährigen Studie Women's Health Initiative (WHI) festgestellt, dass eine Pilleneinnahme das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senke. Nun warnen Verantwortliche der WHI-Studie, dass die von Victory verwendeten Daten solche Rückschlüsse gar nicht erlauben, weil sie beispielsweise hinsichtlich Alter der Frauen und Einnahme der Pille nicht angepasst wurden.

In der WHI-Studie hatte sich gezeigt, dass Frauen, die nach der Menopause mit Östrogenen und Progesteron behandelt wurden, häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Anhand derselben Daten zeigten die Forscher um Victory, dass dieselben Hormone die Gefahr aber etwas reduzierten, wenn sie als Verhütungsmittel vor der Menopause eingenommen wurden. Allerdings hatten einige der Frauen in der Studie bereits die Menopause erreicht, bevor die Pille überhaupt entwickelt worden war. Das Alter der Frauen in jener Gruppe, die nie die Pille nahmen, liegt damit höher als in der Vergleichsgruppe mit Pillenerfahrung. Ein größerer Anteil an Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnte daher rein altersbedingt sein, erklärt Ross Prentice von der WHI. Außerdem beruhen die Aussagen der Frauen über die Pilleneinnahme auf eigenen Berichten und nicht medizinischen Datenblättern. Auch hier könnten sich daher Ungereimtheiten ergeben. Weiterhin wertete das Team um Victory offenbar auch Daten von Frauen aus, die bereits vor Einnahme der Pille an Herz-Kreislauf-Erkrankungen litten.

Jacques Rossouw, Projektkoordinator bei WHI, weist daher Kritik zurück, die nach den Schlussfolgerungen von Victory an den damaligen Ergebnissen laut wurde. Im Gegensatz zur aktuellen Analyse sei die Studie schließlich prospektiv, also mit Blick in die Zukunft angelegt worden. Dabei werden die Teilnehmer über Monate oder Jahre hinweg regelmäßig untersucht und ihre Entwicklung beobachtet. So soll sich zeigen, ob ein vor Studienbeginn vermuteter Faktor auch tatsächlich die ihm zugesprochene Wirkung zeigt – in diesem Fall, ob die Hormoneinnahme das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflusst. Victory und seine Kollegen hingegen hatten schlicht den gesamten Datensatz genommen und rückblickend auf Trends untersucht. Die Wissenschaftler um Victory gaben zudem selbst zu, dass ihre Ergebnisse nur vorläufig seien und im Detail genauer betrachtet werden müssten.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte