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Halluzinogene

Kröten-Droge stimuliert Lern- und Immungene

Experimente mit künstlichen Minigehirnen stützen positive Effekte eines bei schamanischen Ritualen eingesetzten Wirkstoffs.
Ein südamerikanischer Schamane mit Federschmuck sitzt hinter seinen Requisiten.

Ein von Kröten produzierter Wirkstoff verändert in künstlichen Minigehirnen die Aktivität hunderter wichtiger Gene – darunter solche, die an der Bildung von Erinnerungen beteiligt sind. Zusätzlich stützt das veränderte Aktivitätsmuster einen weiteren früheren Befund über den untersuchten Wirkstoff 5-MeO-DMT (5-Methoxy-N,N-dimethyltryptamin): Demnach wirkt der von der Coloradokröte (Incilius alvarius) reichlich produzierte Stoff, der auch im halluzinogen wirkenden Getränk Ayahuasca vorkommt, entzündungshemmend. Diese Befunde vermeldet eine Arbeitsgruppe jetzt in "Scientific Reports". Das Team um Stevens K. Rehen von der Federal University of Rio de Janeiro züchtete Minigehirne, so genannte Organoide, aus Stammzellen. Dabei zeigte sich, dass der Stoff seine Wirkung spezifisch bei Nervenzellen entfaltet: Neuronale Vorläuferzellen reagieren nicht auf 5-MeO-DMT.

5-MeO-DMT ist eine psychoaktive Substanz, die unter anderem bei religiösen oder schamanischen Zeremonien zum Einsatz kommt und seine Wirkung über die Rezeptoren des Serotoninsystems entfaltet. In vielen Staaten sind halluzinogene Wirkstoffe, und somit auch die Forschung an ihren Effekten, trotz möglicher medizinischer Anwendungen stark eingeschränkt. Rehen und sein Team griffen deswegen auf Zellkulturen und gezüchtete Minigehirne zurück, um die Effekte der Substanz auf die Proteinausstattung der Nervenzellen zu identifizieren. 5-MeO-DMT verändert demnach die Aktivität von fast 1000 Proteinen – und eine ganze Reihe dieser Veränderungen passt zu früheren Befunden über die Wirkung psychoaktiver Drogen. Viele betroffene Proteine sind an Umbauten des Zellskeletts und der Zellfortsätze beteiligt, durch die Neurone neue Verbindungen aufbauen. Fachleute fordern schon lange, psychoaktive Stoffe wegen vermuteter positiver Effekte intensiver zu erforschen.

41/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 41/2017

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