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Krokodile: Der gefährlichste Platz des Miozäns

Zu Wasser und zu Lande: Rund um einen südamerikanischen See tummelten sich zahlreiche Fleischfresser. Dominiert wurde das Ensemble wohl von einem Furcht einflößenden Krokodil.
Eine künstlerische Darstellung zeigt zwei große, bärenähnliche Tiere, die durch flaches Wasser laufen. Eines der Tiere wird von einem großen Krokodil angegriffen, das seine Zähne in das Tier schlägt. Im Vordergrund ist ein Vogel mit ausgebreiteten Flügeln zu sehen, während im Hintergrund eine dichte Vegetation aus Bäumen und Sträuchern die Szene umrahmt. Der Himmel ist bewölkt, und einige Vögel fliegen in der Ferne.
Ein Krokodil der Art Purussaurus neivensis erbeutet einen Pericotoxodon platignathus, einen der großen Pflanzenfresser des Miozäns in Südamerika.

Vor 10 bis 15 Millionen Jahren, im Mittleren Miozän, erstreckte sich ein ausgedehntes Feuchtgebiet im westlichen Amazonasbecken, in dem nicht minder gigantische Tiere lebten. Riesenfaultiere und ‑gürteltiere – die Glyptodonten – sowie teils tonnenschwere Huftiere wie Pericotoxodon ästen an den Ufern, reifengroße Schildkröten und riesige Anakondas schwammen in Flüssen und Seen. Gejagt wurden sie von Terrorvögeln, Säbelzahnkatzen und einer ganzen Schar an Krokodilen, deren größte Vertreter zu Wasser wie an Land an der Spitze der Nahrungskette standen. Das zeigt eine Studie von Oscar Wilson von der Universität Helsinki und seinem Team. Die Wissenschaftler identifizierten Purussaurus neivensis, einen entfernten Verwandten der heutigen Kaimane, als einen der dominierenden Fleischfresser im Ökosystem.

Für ihre Studie hatten sie fossile Knochen von großen Pflanzenfressern untersucht, die markante Bissspuren aufwiesen. Viele davon ließen sich den bis zu sieben Meter langen und zwei Tonnen schweren Krokodilen zuordnen, deren Kiefer enorme Drücke ausüben konnten: Sie hinterließen entsprechend große und gut erhaltene Abdrücke in den Knochen. Unter anderem hatten sich die Reptilien in den Kopf und Oberschenkelknochen von Pericotoxodon, verbissen und Fleisch aus dessen Körper gerissen. Die Anzahl der derart beeinflussten Knochen lässt Wilson und Co sogar annehmen, dass Purussaurus neivensis maßgeblich die Bestände der Pflanzenfresser beeinflusste: Wenige andere Arten waren offensichtlich in der Lage, derart große Säugetiere zu jagen und zu fressen. Ob sie diese direkt an Land jagten, ist allerdings unklar. Wahrscheinlich lauerten sie ihnen im Wasser auf, wie es heute zum Beispiel Nilkrokodile tun, die Huftiere wie Gnus oder Zebras beim Trinken überraschen.

Zugleich sorgten sie dafür, dass auch aasfressende Krokodilverwandte wie die Sebecidae profitierten: Diese relativ hochbeinigen Tiere lebten weitgehend an Land und besaßen ebenfalls spitze Zähne mit Sägekanten, mit denen sie Fleisch gut von Knochen schaben konnten. Entsprechende Schleifspuren an den Fossilien führen die Wissenschaftler auf diese Reptilien zurück.

Ob Purussaurus neivensis noch größere Krokodile fürchten musste, ist eine offene Frage. Denn mit Purussaurus brasiliensis lebte ein noch gewaltigeres Reptil in der Gegend: Es wurde im Schnitt acht Meter lang; ausgewachsene Exemplare konnten sogar zehn Meter erreichen – bei einem Gewicht von bis zu sechs Tonnen. Eventuell waren sie zu schwerfällig für die Jagd auf flinke Säuger oder zu selten, um deren Bestände so zu beeinflussen wie die etwas kleinere Verwandtschaft. Vor sieben Millionen Jahren endete jedoch die Vorherrschaft dieser Krokodile. Dann hatte sich die Entwässerung in der Region umgekehrt, denn der Amazonas strömte nicht mehr nach Westen wie zuvor, sondern nach Osten zum Atlantik: Der riesige Sumpf entleerte sich langsam, aber stetig zum Ozean.

  • Quellen

Wilson, O. et al., Journal of Vertebrate Paleontology 10.1080/02724634.2026.2701154, 2026

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