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Kühlende Farbe: Das ist das weißeste Weiß der Welt

Dieses Weiß strahlt so viel Licht und Wärme ab, dass es sich nicht einmal in praller Sonne aufheizt. Auf Dächern könnte es kühlend wirken und vielleicht Klimaanlagen ersetzen.
Teamleiter Xiulin Ruan mit seiner blendenden ErfindungLaden...

Einigermaßen legendär ist die Farbe »Vantablack« – auch bekannt als das schwärzeste Schwarz der Welt, das nahezu sämtliches einfallendes Licht absorbiert. Nun haben Wissenschaftler der Purdue University in West Lafayette sein Gegenstück produziert: das (bislang) weißeste Weiß. Es strahlt 98,1 Prozent des einfallenden Lichts zurück.

Im Fachblatt »ACS Applied Materials & Interfaces« erläutern sie Details zu ihrer Erfindung. Demnach besteht die Farbe vorrangig aus Bariumsulfat, ein schon seit historischen Zeiten verwendetes Weißpigment. Mit ihm könne man Dinge »theoretisch sehr, sehr stark zum Reflektieren bringen, und das bedeutet, sie sehr, sehr weiß machen«, erklärt Teammitglied Xiangyu Li, ebenfalls von der Purdue University.

Der erste Trick habe darin bestanden, viel Bariumsulfat zu verwenden. Der zweite, das Bariumsulfat in Form von Partikeln unterschiedlicher Größe aufzubereiten. Wie gut ein solches Körnchen das Licht zurückwirft, hängt stark von seiner Größe ab. Durch eine Vielfalt von Größen wächst auch die Reflektivität über das gesamte Spektrum des Lichts. Sogar Infrarotlicht werde abgestrahlt, schreiben die Forscher in einer Mitteilung.

Daher kann eine mit ihrem Weiß bestrichene Fläche kühler werden als ihre Umgebung: In Tests mit kleinen Flächen betrug der Temperaturunterschied rund zehn Grad Celsius bei Nacht und viereinhalb Grad bei voller Sonne. Auf einem Dach von rund 100 Quadratmeter Fläche entfalte die Farbe hochgerechnet eine Kühlungsleistung von zehn Kilowatt.

Bariumsulfat ist als wichtiger Grundstoff in der Industrie und bei Ölförderanwendungen kein exotisches Produkt. Es wird in Mengen von Millionen Tonnen pro Jahr hergestellt. Unlängst stellten die Forscher allerdings ein weiteres »weißestes Weiß« vor, das mit Pigmenten aus Kalziumkarbonat – oder Kalk – auskommt. Damit hat es eine noch deutlich günstigere und besser verfügbare Ausgangsbasis. Es schneidet mit einer Reflektivität von 95,5 Prozent jedoch schlechter ab als ihr neuestes Produkt. Kommerzielle hitzereflektierende Farben würden nur 80 bis 90 Prozent des Sonnenlichts zurückwerfen und könnten zwar das Aufheizen verhindern, nicht aber kühlend wirken, schreiben die Wissenschaftler.

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