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News: Kürbisgeschichten

Mensch und Kürbis können auf eine lange, gemeinsame Geschichte zurückblicken: Zusammen mit Mais gehören die farbenfrohen Früchte zu den Produkten der ersten gartenbaulichen Versuche amerikanischer Ureinwohner. Im Laufe der Jahrtausende entstanden zahlreiche kultivierte Varianten aus verschiedenen wildlebenden Vorfahren. Anhand genetischer Unterschiede haben Forscher nun einen Kürbisstammbaum ermittelt.
Bei uns vor allem als furchteinflößendes Dekorationsmittel zu Halloween bekannt, sind Zuchtformen von Kürbissen und ihren Verwandten in der Neuen Welt ein wichtiger Bestandteil des Speiseplans. Und das nicht erst seit gestern: Fossilfunden zufolge haben die Ureinwohner Mexikos den Vorfahren der Zucchini und vieler anderer Speisekürbisse (Cucurbita pepo) schon vor 10 000 Jahren angebaut. Bei Ankunft der Europäer hatten sich noch mindestens vier weitere Arten dazugesellt.

Die kultivierten Varianten stammten dabei offensichtlich nicht alle von derselben Ursprungsart ab. Archäologische, genetische und biogeographische Befunde deuten vielmehr darauf hin, dass jede einzelne wahrscheinlich Ergebnis einer eigenständigen Domestizierung ist. Oris Sanjur vom Smithsonian Tropical Research Institute und ihre Kollegen haben sich nun daran gemacht, anhand genetischer Merkmale den Stammbaum der Gattung Cucurbita zu ordnen, die Beziehungen zwischen sechs kultivierten und sechs wildlebenden Arten zu klären und die Ursprungsorte aufzuspüren. Als Marker wählten sie das nad1-Gen des Mitochondrien-Erbguts, das bei allen untersuchten Arten konservierte, also nur geringfügig veränderte Abschnitte zeigte.

Den Daten zufolge wurden die sechs kultivierten Arten tatsächlich unabhängig voneinander domestiziert. Die mexikanische Wildform C. sororia entpuppte sich dabei als Vorfahre von Ayoten (C. argyrosperma), die womöglich in derselben Region wie Mais zum ersten Mal angebaut wurden. Der Riesenkürbis (C. maxima) geht, wie schon in anderen Arbeiten beschrieben, auf die wildlebende Art C. andreana zurück. Ihre Ursprungsregion ist noch nicht geklärt, Funde in Bolivien haben die bisherige Annahme einer Entstehung in Argentinien allerdings ins Wanken gebracht. Die Ahnensuche für den Moschuskürbis (C. moschata) war weniger erfolgreich, doch dürften sie aus den Tiefländern des nördlichen Südamerika stammen.

Die Forscher konnten außerdem bestätigen, dass die am häufigsten verwendete Art C. pepo, aus der auch zahlreiche Zuchtformen wie Zucchini hervorgingen, gleich zwei Domestizierungsereignisse hinter sich gebracht hat. So gelangte eine Variante, die Unterart C. pepo ssp. ovifera, erstmals im Osten Nordamerikas oder im nordöstlichen Mexiko in die Hausgärten der Bewohner – dem Verbreitungsgebiet ihres wahrscheinlichen Vorfahren C. pepo ssp. fraterna. Eng verwandt mit dieser Wildform ist auch C. pepo ssp. pepo, die zweite Variante der Gartenkürbis-Gruppe. Wer bei ihr auf der Ahnentafel vorangeht, konnten Sanjur und ihre Mitarbeiter allerdings nicht aufklären. Sie vermuten jedoch, dass dessen Heimat in Südmexiko lag. Denn dort entdeckten Wissenschaftler die 10 000 Jahre alte Samen der kultivierten Form, während die Nachweise aus Nordamerika nur etwa halb so alt sind. Um diesen Bereich des Stammbaums abzusichern, sind jedoch noch weitere Untersuchungen nötig, berichtet Sanjurs Team.

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