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Südafrikanische Steinzeit: Kulturelle Blüte auch ohne Bevölkerungswachstum

Perforierte ReusenschneckenLaden...

Richtig los ging es mit der kulturellen Entwicklung des modernen Menschen erst ab einer Zeit vor 50 000 Jahren – zeitgleich mit dem Auszug aus Afrika begann der Homo sapiens mit der Anfertigung von fortschrittlichen Werkzeugen, Kunst und Schmuck. Bereits mehrere zehntausend Jahre davor lassen sich in Südafrika immer wieder Ansätze von quasimodernem Verhalten erkennen, die jedoch nur von kurzer Dauer waren. Als wahrscheinlichste Erklärung für diese Frühreife diskutieren Forscher eine zeitweise Erhöhung der Bevölkerungsdichte, die ein Klima schuf, in dem Innovationen und ihre Weitergabe an die nächste Generation begünstigt wurden.

Leider kann die Bevölkerungsdichte nur indirekt aus dem Fundmaterial erschlossen werden, entsprechend viel Spielraum für Diskussionen besteht. Richard Klein von der Stanford University und Teresa Steele von der University of California in Davies widersprechen nun der verbreiteten Erklärung, nachdem sie die Bevölkerungsentwicklung anhand der Größe von Muschel- und Meeresschneckenschalen abschätzten.

Die Überreste sind in Abfallhaufen in recht großer Zahl vorhanden, sehr wahrscheinlich weil die Tiere von den Küstenbewohnern aus der Gezeitenzone abgesammelt und gegessen wurden. Würden nun in einer Region besonders viele Menschen leben, so die Überlegung der beiden Forscher, würden auch besonders viele Meeresfrüchte gesammelt. Dieser Druck müsste dafür sorgen, dass die Größe der Schalen im Mittel abnimmt – die Tiere werden gesammelt, bevor sie ein hohes Alter erreichen.

Für ihre Auswertung verglichen sie durchschnittliche Muschelschalengrößen aus der Zeit vor rund 50 000 Jahren – der afrikanischen "Late Stone Age", in die der dauerhafte kulturelle Aufschwung fällt (in Europa: Jungpaläolithikum) – mit der Zeitspanne davor, der "Middle Stone Age", die vor gut 200 000 Jahren begann. Ergebnis: In der frühen Phase waren die Schalen merklich größer als in der späteren Epoche.

Das deutet nach Meinung der Forscher darauf hin, dass ein nennenswertes Bevölkerungswachstum ausschließlich in der späteren Phase stattgefunden hat. Nur damals seien genügend Leute vor Ort gewesen, um die Schalentiere zu beeinflussen. Die frühe Blüte lasse sich infolgedessen nicht über eine Bevölkerungszunahme erklären. Wechselnde klimatische Bedingungen könnten nicht als Grund für die Veränderungen in der Schalengröße herhalten. Eine alternative Idee, warum es auch ohne Bevölkerungszunahme zu der frühen Blütezeit kommen konnte, bieten Klein und Steele allerdings nicht an.

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