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Kuriosität im All: Eine seltene Triple-Double-Radiogalaxie

Eine neu entdeckte und außergewöhnliche Radiogalaxie mit drei Jet-Paaren zeigt: Extrem massereiche Schwarze Löcher können mehrfach in kurzer Folge aktiv werden – die Ursachen dafür sind noch ungeklärt.
Eine Konturenkarte zeigt farbige Linien, die unterschiedliche Intensitätswerte darstellen. Die Farben reichen von Blau über Grün bis Rot, wobei Rot die höchsten Werte anzeigt. Die Linien sind dicht beieinander in den roten Bereichen, was auf steile Gradienten hinweist.
Im Zentrum einer Radiogalaxie befindet sich ein massereiches Schwarzes Loch, das Materie aus dem Kern schleudert und sie dabei nahezu auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Während manche lange Ruhephasen von mehreren hundert Millionen Jahren einlegen, arbeiten andere fast ununterbrochen im Dauerbetrieb.

Radiogalaxien gehören zu den beeindruckendsten Phänomenen in unserem Universum und können wahrhaft gigantische Ausmaße annehmen. In ihrem Herzen befindet sich ein extrem massereiches Schwarzes Loch, das große Mengen an Materie verschlingt. Ein Teil davon wird in Form von gewaltigen Teilchenstrahlen, den Jets, entlang der Rotationsachse zurück ins All geschleudert. Treffen diese auf das umgebende Medium, entstehen gewaltige, im Radiobereich leuchtende Keulen (englisch: lobes) aus magnetisiertem Plasma – meist paarweise auf gegenüberliegenden Seiten.

Ein Team um Tombo F. Rarivoarinoro von der University of Cape Town in Südafrika hat nun im Rahmen der Himmelsdurchmusterung MIGHTEE , der MeerKAT International GigaHertz Tiered Extragalactic Exploration, eine extrem seltene Variante einer Radiogalaxie identifiziert, die nicht nur ein oder zwei, sondern gleich drei Paare von Radio-Keulen besitzt – dieser Typ wird als Triple-Double-Radio-Galaxy (TDRG) bezeichnet. Ihre Ergebnisse veröffentlichte das Team Ende Februar 2026 im Fachjournal »Monthly Notices of the Royal Astronomical Society«.

Das Objekt mit der Katalogbezeichnung J022248−060934 weist eine kosmologische Rotverschiebung von z = 0,94 auf. Der z-Wert ist ein Maß für die Entfernung. Die Strahlung der Galaxie benötigte demnach etwa 7,5 Milliarden Jahre, um uns zu erreichen. Es ist erst das siebte bekannte Exemplar seiner Art. Mit einer Ausdehnung von mehr als fünf Millionen Lichtjahren wird J022248−060934 offiziell als Riesen-Radiogalaxie klassifiziert. Zum Vergleich: Das ist etwa der 50-fache Durchmesser unseres Milchstraßensystems.

Die drei beobachteten Paare von Radio-Keulen sind wie die geologischen Schichten einer explosiven Vergangenheit (siehe »Spuren vergangener Aktivität«). Das Team vermutet, dass das Schwarze Loch im Zentrum der Galaxie mindestens dreimal aktiv wurde und darauf wieder verstummte.

Generationen kosmischer Jets | Das hochaufgelöste Bild der Triple-Double-Radiogalaxie zeigt ihre Struktur sowie die Lage der Wirtsgalaxie (rotes Kreuz). Die drei Paare von Radiokeulen stammen von nacheinander ausgestoßenem Material in den beiden Jets. Sie sind als I (äußerstes), II (mittleres) und III (innerstes) gekennzeichnet. Deren Entfernungen vom Zentrum der Radioquelle betragen im Mittel 5,18; 2,83 und 1,5 Millionen Lichtjahre. Eine Skala oben rechts gibt die Ausdehnung in Kiloparsec (kpc) an. Dabei gilt: 1 kpc = 1000 pc = 3261 Lichtjahre. Die Konturlinien geben die Intensität der Radiostrahlung wieder. Der schwarze Kreis verdeutlicht das maximale Auflösungsvermögen der Aufnahme, »hi« steht für high resolution, also hohe räumliche Auflösung. Den Hintergrund bildet ein RGB-Kompositbild im Visuellen des Pan-STARRS-Teleskop-Systems.

Besonders überraschend für das Team ist der schnelle Ablauf dieser Ausbrüche. Eine spektrale Alterungsanalyse, die erste ihrer Art für eine Triple-Double-Radiogalaxie, ergab, dass die erste Aktivitätsphase vermutlich vor »nur« 16 Millionen Jahren stattfand. Diese aktive Phase dauerte rund zehn Millionen Jahre, gefolgt von einer »kurzen« Ruhephase von lediglich einer Million Jahren. Es folgte eine zweite Episode von etwa sieben Millionen Jahren Dauer, bevor die Galaxie in ihre aktuelle, dritte Aktivitätsphase eintrat. Sie dauert seit circa acht Millionen Jahren an. Das bedeutet, das Schwarze Loch verbringt den Großteil seiner Zeit im aktiven Zustand – es zeigt einen 90-prozentigen »Duty Cycle« – und unterbricht seine Jet-Produktion nur für sehr kurze Intervalle.

Warum manche Schwarze Löcher derart regelmäßig zwischen Aktivitätsphasen wechseln, ist noch weitgehend ungeklärt. Die Untersuchung von TDRGs ist daher entscheidend, um zu verstehen, wie solche Schwarzen Löcher wachsen und auch ihre Heimatgalaxien durch die gewaltige Energiefreisetzung formen. Mit zukünftigen Teleskopen wie dem Square Kilometre Array Observatory (SKAO) soll systematisch nach weiteren dieser seltenen Objekte gesucht werden – die Entdeckung und Untersuchung von J022248−060934 ist ein erster wichtiger Meilenstein.

  • Quellen
Rarivoarinoro, T. et al., Monthly Notices of the Royal Astronomical Society 10.1093/mnras/stag378, 2026

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