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Ländervergleich: Weiß wie die Trauer, grün wie Zufriedenheit

Eine Studie auf sechs Kontinenten zeigt: Menschen assoziieren Farben häufig mit denselben Emotionen. Aber für einige Farben und Länder gilt das weniger.
Mensch verdeckt hinter einem Schirm in Regenbogenfarben

In der deutschen Sprache wird man gelb vor Neid, im Englischen grün. Und während wir uns bei Beerdigungen in die Trauerfarbe Schwarz hüllen, trägt man in China zu diesem Anlass Weiß. Bestimmt also die Kultur, welche Farben wir mit welchen Gefühlen verbinden? Oder gibt es auch länderübergreifende Assoziationen?

Um das herauszufinden, untersuchte eine internationale Forschungsgruppe um Christine Mohr von der Université de Lausanne die emotionale Bedeutung von Farben in 30 Ländern. Bislang hätten Studien nur wenige Sprachen und Kulturen verglichen, berichten die Forschenden. Sie warben deshalb rund 4600 Versuchspersonen auf sechs Kontinenten an, darunter auch mehr als 200 Deutsche.

Die Teilnehmenden bekamen auf dem Bildschirm zu zwölf Farbwörtern je 20 Emotionsbegriffe präsentiert. Sie sollten all jene auswählen, die sie mit der betreffenden Farbe assoziierten, und dazu die Stärke der Assoziation angeben. Am häufigsten verknüpften sie die Farbe Rot und die Liebe. Auch Rosa und die Liebe bildeten oft ein Paar; Orange und Gelb wurden vor allem mit Freude und Vergnügen verbunden, Grün mit Zufriedenheit, Weiß mit Erleichterung, Braun mit Ekel und Schwarz mit Angst und Trauer. In manchen Ländern gaben die Menschen besonders viele Assoziationen an, darunter Finnland, Litauen und Neuseeland; Deutschland folgte an sechster Stelle.

Am ähnlichsten: Frankreich und die Schweiz

Die Forschenden beobachteten auch ein paar länderspezifische Assoziationen. Beispielsweise ließ die meist mit Schwarz und Grau verknüpfte Trauer in China auch an die Farbe Weiß denken und in Griechenland an die Farbe Lila. Und wie sehr Gelb mit Freude verbunden war, hing damit zusammen, wie viele Sonnenstunden ein Land zählte. Überhaupt weckten Lila und Gelb die unterschiedlichsten Assoziationen. Aber zu den meisten Farben, vor allem Rosa, Grün, Türkis und Schwarz, stimmten die Urteile vielerorts überein.

»Farb-Emotions-Assoziationen sind ein universelles Phänomen«, schließt die Forschungsgruppe daraus. Doch auch Sprache, Kultur und Geografie spielten mit hinein. Denn in benachbarten Ländern oder bei gleicher Sprache waren sich die Versuchspersonen eher einig. Die ähnlichsten Assoziationen äußerten Versuchspersonen aus Frankreich und der Schweiz.

Unklar ist den Forschenden zufolge, inwieweit der Mensch beim Anblick etwa der Farbe Rot wirklich Liebe oder auch Wut verspüre. Zwar könnten Farben ebenso wie Emotionen körperliche Reaktionen hervorrufen. Aber ob daher auch die Assoziationen rühren, ist offen. Laut Christine Mohr und ihrem Team gründen die Assoziationen teils in universellen menschlichen Erfahrungen und sind in der kognitiven Architektur des Menschen angelegt, teils spiegelten sie eine über Kultur und Sprache vermittelte Symbolik.

Die Forschungsgruppe empfiehlt, die Studie in kleineren Gesellschaften zu wiederholen, da ihre eigenen Daten weitgehend von Menschen stammten, die im Internet zu Hause sind. Wer seine Assoziationen einfließen lassen möchte, kann weiterhin an der Untersuchung teilnehmen.

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