Landwirtschaft: Kartoffelanbau vor zehntausend Jahren

Die Kartoffelpflanze Solanum jamesii ist seit Jahrtausenden ein wichtiges Nutzgewächs in der Colorado-Hochebene westlich der Rocky Mountains (USA). Wie lange die Menschen sie schon anbauen, ist rätselhaft. Eine Forschungsgruppe um Lisbeth Louderback von der University of Utah hat jetzt nachgewiesen: Die Knollenpflanze wird in den südwestlichen USA seit mindestens zehntausend Jahren verarbeitet.
Schon frühere genetische Untersuchungen hatten Hinweise darauf geliefert, dass nordamerikanische Indigene die Kartoffelgewächse vor langer Zeit über deren natürliches Verbreitungsgebiet hinaus transportierten und woanders kultivierten. Louderback und ihr Team haben jetzt rund 400 Steinwerkzeuge aus 14 archäologischen Fundstätten untersucht – sowohl innerhalb als auch außerhalb des ursprünglichen Lebensraums von Solanum jamesii. Die Fachleute fahndeten nach mikroskopisch kleinen Stärkekörnern dieses Gewächses, die sich in Rissen und Spalten von handgeführten Mahlsteinen erhalten haben. Mit solchen Werkzeugen haben die Indigenen Amerikas früher ihre Nahrungs- und Nutzpflanzen zerrieben. Stärkekörner von Solanum jamesii fanden sich an Mahlsteinen von neun archäologischen Stätten, die bis zu 10 000 Jahre alt sind. Dass einige dieser Stätten weit entfernt liegen vom natürlichen Verbreitungsgebiet der Kartoffelpflanze, werten Louderback und ihr Team als Indiz dafür, dass die dort verarbeiteten Gewächse gezielt angebaut worden waren.
Solanum jamesii war früher ein wichtiges Handelsgut in der Colorado-Hochebene. Indigene Völker brachten Exemplare dieser Spezies aus dem ursprünglichen Lebensraum mit und pflanzten sie weiter nördlich im heutigen Utah, Colorado und New Mexico an. Dabei veränderten sie die Gewächse züchterisch, etwa hinsichtlich der Frostbeständigkeit und der Keimeigenschaften, was sich an den heutigen Populationen dieser Pflanzenart nachweisen lässt.
Das Kartoffelgewächs ist ursprünglich im Mogollon Rim heimisch, einem Gebirgszug im US-Bundesstaat Arizona. Außerhalb dieser Region tritt es in eher kleinen Populationen auf, meist in der Nähe archäologischer Stätten. Seine Knollen haben einen relativ hohen Gehalt an Proteinen, Mineralen und Ballaststoffen und sind, richtig zubereitet, gut genießbar und kalorienreich. Sie waren darum wohl ein wertvolles Nahrungsmittel und werden mitunter heute noch verzehrt, wie die Fachleute erfuhren, als sie Vertreter des indigenen Volks der Navajo interviewten.

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