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Landwirtschaft: Kühe sind für Blumen besser als Schafe

Kühe auf der Weide sind leider ein zu seltener Anblick. Denn wo sie grasen, kann die Vielfalt an Kräutern und Insekten wachsen.
Eine Kuh ruht auf einer Wiese voller gelber Blumen und grünem Gras. Der Himmel ist blau mit einigen weißen Wolken. Die Kuh trägt Ohrmarken und schaut direkt in die Kamera. Im Hintergrund sind Bäume und Hügel zu sehen.
Wo Kühe weiden, wachsen oft mehr Kräuter als auf Mähwiesen oder Schafweiden.

Rinder und Schafe unterscheiden sich auch darin, wie sie fressen: Während Kühe ihre Zunge relativ breit um alle längeren Pflanzen wickeln und diese dann ausreißen, fressen Schafe deutlich selektiver und nippeln sehr gezielt besonders schmackhafte Gräser und Kräuter ab. Auf Dauer kann das dazu führen, dass Schafweiden zu monotonen Graslandschaften führen, während das Großvieh artenreiche Landschaften schafft. Umgekehrt kann der Ersatz von Schafen durch Rinder artenarme Rasen wiederbeleben und neue, blütenreiche Gebiete schaffen, wie eine Studie von George Porton von der University of Leeds und seinem Team im Yorkshire-Dales-Nationalpark zeigt.

Bis 2004 grasten hier auf einer 1500 Hektar großen Fläche Schafe, was nach und nach dazu führte, dass die Flora und nachfolgend auch die Insektenwelt verarmten. Um diesen Prozess zu stoppen und umzukehren, entschloss sich das Management des Schutzgebiets dazu, die Schafherden durch verschiedene robuste Rinderrassen zu ersetzen. Die Rinder sollten durch ihre Art des Weidens Gräser ausrupfen und dadurch neue Nischen für krautige Arten schaffen. Ebenso schaffen sie mit ihren Hufen Freistellen, die bestimmte Pflanzen nutzen können. Und die Rinder transportieren über ihr Fell, den Dung und in den Hufen sehr effektiv Samen über die Fläche.

Seit Beginn dieser Umwandlung beobachteten Wissenschaftler, wie sich die Vegetation veränderte. Innerhalb der ersten 18 Jahre nahm die pflanzliche Artenvielfalt um mehr als 40 Prozent zu. Pflanzen wie der Gewöhnliche Hornklee (Lotus corniculatus), der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) oder der Blutwurz (Potentilla erecta) breiteten sich wieder deutlich aus. Bemerkenswert fanden die Forscher die Zunahme beim Augentrost (Euphrasia spec.), einer Charakterart dieser Grasländer auf Kalk.

Im Gefolge dieses Wandels profitierten zudem verschiedene Schmetterlingsarten, die zuvor ebenfalls einen langjährigen Niedergang erleben mussten. Verglichen mit benachbarten Schafweiden wiesen die Kuhweiden fünfmal so viele Schmetterlinge auf – darunter in Großbritannien bedrohte Arten wie den Großen Sonnenröschen-Bläuling (Aricia artaxerxes).

Weite Bereiche der britischen Hochländer werden von Schafen beweidet; seit 1950 hat die Zahl der Schafe auf der Insel von 18 Millionen auf mehr als 40 Millionen im Jahr 1990 zugenommen. Seitdem sank ihre Zahl zwar wieder und erreichte 2025 etwas mehr als 30 Millionen, doch damit grasen immer noch weit mehr Tiere auf den Grasflächen als nach dem Zweiten Weltkrieg. Vielerorts sind Weideprojekte in Gang, um mithilfe von Rindern die Artenvielfalt im Weideland zu erhöhen.

  • Quellen
Porton, G. et al., Ecological Solutions and Evidence 10.1002/2688–8319.70204, 2026

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