Direkt zum Inhalt

Evolution: Lange Kindheit bei frühen Menschen

Unterkiefer aus Jebel IrhoudLaden...
Schon vor 160 000 Jahren dauerte eine Kindheit genauso lange wie heute, fanden jetzt Forscher heraus, die den Unterkiefer eines frühen Homo-sapiens-Kindes aus Marokko untersucht hatten. Das Team vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und der französischen European Synchrotron Radiation Facility stieß damit auf den bislang ältesten Beleg für dieses typisch menschliche Merkmal.

Synchrotron-Aufnahme des Zahnes Laden...
Synchrotron-Aufnahme des Zahnes | Das Synchrotronbild der Probe aus dem Schneidezahn zeigt die Wachstumslinien (weiße Pfeile) mit zehn Linien pro Tag (weiße Klammern). Der Maßstabsbalken entspricht 0,2 Millimeter.
Während bei anderen Homo-Arten – wie dem Neandertaler – und ihren Vorgängern die Kindesentwicklung ähnlich rasch verlief wie bei heutigen Schimpansen, zeigten die Wachstumsringe im Zahnschmelz des Fossils bereits die verlängerte Kindheitsphase moderner Menschen. Auch die Backenzähne des Kindes brachen vergleichsweise spät durch. Die nur wenige Hundertstel Millimeter großen Wachstumslinien machten die Forscher um Tanya Smith mit Hilfe der hochauflösenden dreidimensionalen Synchrotron-Mikrotomografie sichtbar.

Vermutlich habe sich bereits der frühe Homo sapiens in sozialer, biologischer und kultureller Hinsicht so stark verändert, dass Kinder mehr Zeit benötigt hätten, um alles Notwendige zu lernen, schreiben die Wissenschaftler. Eine zu frühe Selbstständigkeit hätte in diesem Fall mehr geschadet als genutzt. (jd)
14.03.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 14.03.2007

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Partnervideos