Langlebige Chemikalien: Wale weniger mit PFAS belastet

Zur Abwechslung mal gute Nachrichten: Die PFAS-Altlasten in Ozeanen gehen offenbar zurück. So ist die Konzentration der Schadstoffe im Körper von Pilotwalen im Nordatlantik um 60 Prozent gesunken. Das zeigen Gewebeproben der Meeressäuger aus den Jahren 1986 bis 2023. Die Ergebnisse belegen, wie wirkungsvoll die Begrenzung der PFAS-Produktion ab Anfang der 2000er Jahre war, schreibt das Team der Harvard University im Fachjournal »PNAS«.
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) werden seit den späten 1940er Jahren hergestellt. Mittlerweile gibt es tausende chemische Stoffe, die zu dieser Klasse gehören. Während sie sich in ihrer Struktur teils stark unterscheiden, tragen sie alle ein Gerüst aus längeren oder kürzeren Kohlenstoffketten, die ganz oder teilweise von Fluoratomen umgeben sind. Weil die Fluor-Kohlenstoff-Bindungen extrem stabil sind, spricht man auch von »Ewigkeitschemikalien«. PFAS werden für zahlreiche industrielle Anwendungen genutzt und kommen in Kosmetika, Kochutensilien, Textilien, in Pflanzenschutzmitteln, Löschschäumen und elektronischen Geräten zum Einsatz.Fachleute haben Reste solcher Substanzen überall gefunden: in Seen, in Flüssen, im Boden, in Lebensmitteln und im menschlichen Körper. Die Daten zur Konzentration in den Ozeanen sind jedoch begrenzt.
Wirksame Maßnahme zur Reduktion von PFAS
Wegen ihrer schädlichen Wirkung auf Menschen und Umwelt wurde eine Reihe von PFAS, insbesondere solche mit Ketten von acht oder mehr Kohlenstoffatomen, seit Anfang der 2000er Jahre schrittweise verboten. Seither stellt die Industrie zunehmend Alternativen mit kürzeren Ketten oder anderen Atomgruppen her. Im Vergleich zu den älteren Chemikalien sind neuere Generationen schwieriger nachzuweisen.
Die Forschenden um Jennifer Sun und Elsie Sunderland verzichteten daher darauf, einzelne PFAS zu messen. Stattdessen analysierten sie die Gesamtmenge an organischen Fluorverbindungen im Leber- und Muskelgewebe von Pilotwalen (Globicephala melas). Sie untersuchten dazu archivierte Gewebeproben, die zwischen 1986 und 2023 von Tieren im Nordatlantik genommen wurden.
Wale, insbesondere Zahnwale, stehen ganz oben in der Nahrungskette und gelten als Indikatoren für die Meeresverschmutzung. Wie das Team herausfand, machten nur vier PFAS der alten Generation rund Dreiviertel der Gesamtkonzentration an Fluorverbindungen im Gewebe aus. In Proben des Jahres 2011 erreichten die PFAS-Mengen ihren Höchststand und gingen bis 2023 um mehr als 60 Prozent zurück. Der Rückgang erfolgte damit etwa zehn Jahre nach dem Verbot der alten, langkettigen Variante. Laut Modellierungen ist diese Verzögerung auf marine Transportprozesse zurückzuführen.
»Die Einstellung der Produktion, die zunächst freiwillig erfolgte und später durch Vorschriften vorangetrieben wurde, hat sich als sehr wirksam erwiesen, um die Konzentrationen dieser Chemikalien in Nähe der Quellen sowie in weiter entfernten Ökosystemen zu reduzieren«, sagt Erstautorin Sun laut einer Pressemeldung.
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