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Demenz: Langlebigkeitsgen schützt vor Alzheimerkrankheit

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Ein bereits länger bekanntes "Langlebigkeitsgen" bietet offenbar nicht nur einen gewissen Schutz vor altersbedingten Herzerkrankungen, sondern sorgt auch dafür, dass das Gehirn beim Altwerden gesund bleibt. Eine entsprechende Beobachtung machten jetzt Wissenschaftler vom Albert Einstein College der Yeshiva University in New York. Menschen, die die günstige Variante des Gens CETP trugen, litten seltener unter der Alzheimerkrankheit und ähnlichen Demenzerkrankungen.

Die Forscher um Studienleiterin Amy Sanders haben dazu seit 1994 insgesamt 523 über siebzigjährige Personen regelmäßig auf Anzeichen beginnender Demenz untersucht. Wer auf beiden Allelen die günstigere Version von CETP trug, ließ in seiner geistigen Leistungsfähigkeit im Schnitt um 51 Prozent langsamer nach als die anderen.

Mithilfe des Gens stellt der Körper das so genannte Cholesterinester-Transferprotein her, das die Größe im Blut zirkulierender Lipidpartikel verändert und die Menge von HDL im Körper reduziert. Träger der günstigen Genvariante produzieren weniger CETP und verfügen infolgedessen über mehr des umgangssprachlich auch "gutes Cholesterin" genannten Lipidtransporters HDL. Warum dies das Demenzrisiko herabsetzt, ist Sanders zufolge noch unklar. Weitere, ähnlich wirkende Gene seien bekannt, die ebenfalls die kognitiven Leistungen im Alter beeinflussen. Allerdings hätten frühere Studien keinen derart klaren Zusammenhang wie Sanders zwischen der CETP-Variante und verringerter Altersdemenz nachweisen können.

Die anerkannt förderliche Wirkung eines geringen CETP-Spiegels auf Fettstoffwechsel und Herzkreislaufsystem haben Pharmafirmen bereits zum Anlass genommen, CETP-Hemmer gegen Herzerkrankungen zu entwickeln. Diese Medikamente, die die Wirkung der günstigen Gen-Variante imitieren, könnten zukünftig womöglich auch gegen die Alzheimerkrankheit eingesetzt werden.

Die förderliche Variante von CETP unterscheidet sich von der üblicheren durch den Austausch einer einzelnen Base. Sie gilt als "Langlebigkeitsgen", weil sie überdurchschnittlich häufig bei sehr alten Personen auftritt: Studien ergaben, dass rund ein Viertel aller über Hundertjährigen die günstige Variante trägt, während sie nur bei rund fünf Prozent der Sechzigjährigen zu finden ist. (jd)
2. KW 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 2. KW 2010

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