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Seuchen und Umwelt: Klimawandel öffnet dem Lassavirus neue Nischen

Das Lassavirus braucht ganz spezifische Umweltbedingungen für seine Verbreitung. Die kriegt es dank Klimawandel wohl bald an mehr Orten. Es gibt aber auch eine gute Nachricht.
Natal-Vielzitzenmaus, Mastomys natalensis, in hohem Gras.
Die Natal-Vielzitzenmaus überträgt das Lassafieber durch ihren Kot. Aber nicht überall, wo das Nagetier lebt, trägt es auch das Virus - das Lassavirus scheint sich nur unter besonderen Umweltbedingungen zu verbreiten.

Mehr als 600 Millionen Menschen könnten zukünftig durch das gefährliche Lassavirus bedroht sein. In den nächsten 50 Jahren werden Veränderungen in Klima und Landnutzung die Region, in der sich Menschen mit dem oft tödlichen hämorrhagischen Fieber anstecken können, erheblich vergrößern, berichtet ein Team um Raphaëlle Klitting vom Scripps Research Institute. Wie die Arbeitsgruppe in ihrer Veröffentlichung in »Nature Communications« schreibt, trägt die Natal-Vielzitzenmaus (Mastomys natalensis), Überträger des Lassavirus, nur in einem winzigen Teil ihres Verbreitungsgebiets den Erreger. Bis 2070 wird sich dieses Areal laut dem Modell der Arbeitsgruppe dramatisch vergrößern. Statt bisher nur in Westafrika könnte sich Lassafieber demnach dann auch in Zentral- und Ostafrika verbreiten.

Die Natal-Vielzitzenmaus ist ein Kulturfolger und sucht menschliche Nähe. Sie überträgt das Virus höchstwahrscheinlich über ihre Köttel. Doch während der Überträger nahezu im gesamten Afrika südlich der Sahara vorkommt, gibt es Lassafieber nur in einigen kleinen Gebieten in Westafrika. Der Grund dafür ist nach Ansicht des Teams um Klitting, dass bestimmte Umweltbedingungen nötig sind, damit das Virus sich verbreitet. Für große Gebiete Afrikas ist das Virus demnach zu anspruchsvoll.

Lassafieber ist eine ernste und dort, wo sie auftritt, keineswegs seltene Krankheit. Von den mehreren hunderttausend Menschen, die sich in Nigeria und anderen Ländern Westafrikas mit Lassafieber anstecken, erkranken etwa 80 Prozent sehr mild oder symptomlos. Beim Rest der Fälle entwickelt sich jedoch ein schweres hämorrhagisches Fieber, das mit Symptomen wie Blutungen aus dem Mund und anderen Körperöffnungen einhergehen kann. Bis zu 80 Prozent der Betroffenen sterben. Eine Impfung gibt es nicht.

Auf dieser Basis modellierte die Gruppe die ökologische Nische des Lassavirus – mit dem Ergebnis, dass Temperatur, Niederschläge und Weideland seine Verbreitung bestimmen. Als zweiten Schritt kombinierte sie diese Daten mit Projektionen zukünftiger Veränderungen von Klima und Landnutzung, um die ökologische Nische des Virus in bis zu 50 Jahren zu bestimmen. In diesen Projektionen weitet sich das Verbreitungsgebiet der gefährlichen Krankheit erheblich aus.

Statt nur einige Regionen in Westafrika umfasst das mögliche Verbreitungsgebiet des Lassafiebers im Jahr 2070 einen breiten Gürtel von Guinea bis Kamerun, mit potenziellen Verbreitungsinseln in Uganda, der Demokratischen Republik Kongo und an der Küste von Mosambik. Es gibt allerdings auch eine gute Nachricht. Anhand genetischer Analysen von Lassaviren aus unterschiedlichen Regionen untersuchte das Team deren evolutionäre Dynamik. Demnach verbreitet sich das Virus ungewöhnlich langsam. Es sei also keineswegs gesagt, dass Lassa zukünftig in allen klimatisch geeigneten Regionen wirklich auftaucht, so die Schlussfolgerung der Gruppe um Klitting. Zumindest wenn sich die Ausbreitungsdynamik des Virus nicht unerwartet ändere.

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