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Manipulation: Mit Hypnose lassen sich Assoziationen verändern

Forschern ist es gelungen, mittels Suggestionen die Wirkung von neuen Informationen zu verstärken.
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Der Anblick von Donald Trump oder einer Pizza kann spontan eine wertende Reaktion auslösen, und solche automatischen Werturteile beeinflussen das Verhalten, zum Beispiel an der Wahlurne oder am Esstisch. Mit diesen Beispielen illustrieren zwei Psychologen von der Universität Gent die praktische Bedeutung ihres Anliegens: implizite Assoziationen und Werturteile zu verändern. Genau das sei ihnen nun gelungen, wie sie im Fachblatt »Psychological Science« berichten – und zwar mittels einer einzigen Hypnose-Session.

In zwei Experimenten suggerierten Pieter van Dessel und Jan De Houwer einem Teil ihrer mehr als 130 studentischen Versuchspersonen, dass sie direkt nach der Hypnose neue Informationen tiefer verarbeiten werden. Eine Kontrollgruppe wurde nicht hypnotisiert, sondern lediglich bei geschlossenen Augen zu Entspannungsübungen angeleitet. Die darauf folgenden neuen Informationen standen im Widerspruch zu den Assoziationen, die die Forscher den Studierenden vor der Hypnose eingeimpft hatten: im ersten Experiment mittels Geschichten, in denen eine fiktive Gruppe als zivilisiert und eine andere als aggressiv beschrieben wurde. Im zweiten Experiment wurde 80-mal eines von zwei neutralen Gesichtern auf einem Bildschirm präsentiert, gekoppelt mit stets einem positiven oder stets einem negativen Wort. Danach überprüften die Psychologen, ob die klassische Konditionierung erfolgreich war, also die gewünschten positiven und negativen Assoziationen entstanden waren.

Nach der Hypnose erfuhr ein Teil der Versuchspersonen im ersten Experiment, die »gute« Gruppe sei nun aggressiv und die »böse« friedlich geworden. Ihre Assoziationen veränderten sich daraufhin stärker als bei den übrigen Probanden, die neutrale neue Informationen zu den Gruppen erhalten hatten. Bei der nicht hypnotisierten Kontrollgruppe war das nicht der Fall. Die Veränderungen zeigten sich unter anderem in einem Test, der kongruente positive Assoziationen indirekt über schnellere Reaktionszeiten erfasst (dem Impliziten Assoziationstest, IAT). Ähnliche Ergebnisse fanden die Forscher im zweiten Experiment, in dem die zuvor »gute« Person plötzlich als böse beschrieben wurde und umgekehrt.

Dass dies mit einfachen gegenläufigen Informationen gelang, führen van Dessel und De Hower auf die unter Hypnose eingeflüsterte vertiefte Verarbeitung zurück. Sie hoffen, dass sich auf diese Weise auch positive Assoziationen mit Drogen oder ungesundem Essen lösen lassen. Zwar dürfte das bei langjährigen Süchten und schlechten Gewohnheiten um ein Vielfaches schwieriger sein. Zudem wurden zum ersten Experiment nur Freiwillige eingeladen, die laut Selbstauskunft zumindest durchschnittlich empfänglich für Suggestionen waren. Doch immerhin gelang es den Psychologen nachzuweisen, dass die Methode überhaupt wirken könnte.

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