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Latente Infektion: Ebolaausbruch durch reaktiviertes Virus

Das Ebolavirus kann sich jahrelang im Körper verstecken und dann wieder ansteckend werden. Fachleute fordern einen Paradigmenwechsel bei der Bekämpfung der Seuche.
Medizinisches Personal schützt sich bei der Behandlung Ebola-Erkrankter mit Gesichtsmasken

Genetische Analysen an Ebolaviren des jüngsten Ausbruches der Krankheit in Guinea deuten darauf hin, dass die aktuellen Ansteckungen auf reaktivierte Viren bei einem Genesenen zurückgehen. Wie eine Arbeitsgruppe um den Virologen Alpha Kabinet Keita von der Université de Conakry in Guinea berichtet, unterscheidet sich das Erbgut des Virus von 2021 praktisch nicht von jenem, das während der Epidemie von 2013 bis 2016 in Westafrika kursierte.

Damals infizierten sich mindestens 30 000 Menschen mit dem hochgefährlichen Virus, mehr als 11 000 starben. Anscheinend trug eine überlebende Person seither den Erreger weiterhin in sich, schreibt das Team in »Nature«. Dieser seit etwa sechs Jahren ruhende Erreger begann sich aus noch unbekannten Gründen wieder zu vermehren und sprang auf andere Menschen über. Der Ausbruch zeigt nach Ansicht der Fachleute, dass das Ebolavirus in einem Reservoir im Körper überdauern kann – das lege nahe, dass Ausbrüche von Ebola womöglich viel seltener auf Übertragungen von Tieren auf Menschen zurückgehen.

Die neuen Fälle traten in Januar und Februar 2021 in der Region Nzérékoré im Südosten Guineas auf und waren die ersten in dem Land seit dem Ende der Epidemie. Insgesamt infizierten sich wohl 23 Menschen, zwölf von ihnen starben an dem Virus, bevor die Behörden des Landes den Ausbruch erstickten.

Keitas Arbeitsgruppe sequenzierte das Erbgut der Viren von zwölf Patientinnen und Patienten und verglich das Genom mit Sequenzen des Erregers der vorherigen Epidemie. Dabei stellte sich heraus, dass die Viren eng miteinander verwandt waren – außerdem trägt das Virus von 2021 eine als A82V bezeichnete Mutation, die es deutlich ansteckender macht und die während der Epidemie auftrat. Das zeigt, dass der Ausbruch nicht auf eine neue Übertragung von einem Tier zurückgehen kann, was man bisher als Ursache solcher kleinerer Ausbrüche ansah.

Wie das Virus überlebt, ist unklar

Zusätzlich prüfte das Team, wie viele Mutationen bei dem neuen Ausbruch gegenüber den Epidemieviren hinzugekommen waren. Denn das Erbgut von Organismen mutiert permanent, so dass man an der Menge der Veränderungen die Zeit abschätzen kann, die dafür nötig war. In den Viren von 2021 fand sich nur etwa ein Fünftel der Punktmutationen, die man erwarten würde, wenn das Virus in den letzten sechs Jahren permanent von Mensch zu Mensch gesprungen wäre.

Das sei nur zu erklären, wenn das Virus als latente Infektion im Körper eines Genesenen überdauert hat. Dazu passen frühere Ergebnisse, laut denen das Virus in symptomfreien Genesenen noch einige Monate nachgewiesen und sogar wieder reaktiviert werden kann. Die neue Studie deutet jedoch an, dass das über viel längere Zeiträume geschieht als bisher gedacht.

Wie das zu Stande kommt, ist allerdings völlig rätselhaft. Der Erreger des Ebolafiebers ist ein RNA-Virus, dem die molekulare Maschine fehlt, sich in DNA zu übersetzen – was für den Einbau ins Erbgut nötig wäre. Und ohne diesen ist nicht plausibel, wie ein RNA-Virus mehrere Jahre im Körper überlebt. Keita und seine Arbeitsgruppe mutmaßen deswegen: Das Virus vermehrt sich weiterhin im Körper, nur eben sehr, sehr langsam.

Eine Rolle dabei könnten so genannte immunprivilegierte Gewebe spielen, in denen Entzündungsreaktionen unterdrückt sind, um wichtige Organe nicht zu schädigen. Tatsächlich zeigen Fallberichte, dass bei einer wieder aufflammenden Ebolainfektion Entzündungen in Gehirn oder Augen auftreten können.

Bislang ist noch völlig unklar, wie häufig das Ebolavirus so lange im Körper überdauert, wodurch es erneut ansteckend wird – und ob das etwas mit den Langzeitfolgen der Infektion zu tun hat, die bei vielen Betroffenen auftreten. Allerdings zeige der Befund, dass das Virus im Körper überdauert und sogar noch Jahre später neue Ausbrüche auszulösen vermag, schreibt das Team um Keita. Das deute darauf hin, dass ein Paradigmenwechsel bei der Betrachtung derartiger Ausbrüche nötig sei. Tatsächlich gibt es auch für einen weiteren Ausbruch von Ebola im Jahr 2021, im Mai in der Demokratischen Republik Kongo, deutliche Indizien dafür, dass ein Virus aus einem früheren Ausbruch reaktiviert wurde.

Als Konsequenz dieser Erkenntnis müsse die langfristige medizinische Versorgung von Ebola Genesener priorisiert werden, schreibt Robert F. Garry von der Tulane University School of Medicine in New Orleans in einem Kommentar für »Nature« – am besten, ohne diese weiter zu stigmatisieren. Außerdem sei zusätzliche Forschung nötig, wie man verhindert, dass das Virus zurückkehrt, schreibt er weiter.

Dazu könnte die Impfung gegen das Virus nach einem Ausbruch noch weiter eingesetzt werden: unter Umständen müssten auch Genesene gegen das Virus geimpft werden, um die Reaktivierung zu verhindern, schlägt der Forscher vor. Allerdings müsse man zugleich prüfen, ob der unvollständige Schutz durch den Impfstoff womöglich bei der Entstehung solcher latenter Infektionen eine Rolle spiele.

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