Sonne aktuell: Launenhafte Sonne: Mal viel, mal wenig los

Unser Tagesgestirn ist derzeit für manche Überraschung gut: Es mag vorkommen, dass sich zeitweise kaum Flecken zeigen, aber schon in der darauffolgenden Woche kann sich das Bild völlig gewandelt haben. So verhielt sich die Sonne auch im August 2025: Trotz einer hohen Aktivität während der ersten und letzten Augusttage stieg die auf den gesamten Monat bezogene Sonnenfleckenrelativzahl im Vergleich zu den Vormonaten nur leicht an, denn in den Tagen um den 18. August trat eine deutliche Flaute ein. Dementsprechend ermittelte das Beobachternetz der Fachgruppe Sonne der deutschlandweiten Vereinigung der Sternfreunde e. V. (VdS) in einer vorläufigen Auswertung eine Relativzahl von nur 131,3 für den August, nach Werten von 119,8 im Juli und 105,2 im Juni 2025.
Die Ursache für den temporären Rückgang um die Monatsmitte liegt in einer zweigeteilten Verteilung der Aktivitätsgebiete auf der Sonne: Fleckengruppen, die zu Beginn des Monats noch für uns sichtbar waren, verschwanden infolge der Sonnenrotation allmählich aus unserem Blickfeld und tauchten erst zum Monatsende wieder am gegenüberliegenden Sonnenrand auf (siehe »Zweimal fleckenreiche Sonne«). In der dazwischenliegenden Zeit zeigte uns das Tagesgestirn seine weniger spektakuläre Hälfte.
Auf der aktiven Sonnenhälfte rückten einige Gebiete enger zusammen und erschienen am Monatsende als eindrucksvolles Dreiergespann (siehe »Dreifache Fleckengruppe«). Im Gegensatz zum Vormonat Juli waren nun gleich mehrere Flecken mit großen Penumbren ausgestattet, was auf eine Verstärkung der lokalen Magnetfelder hindeutet. Zumindest auf einer Sonnenhälfte hatte sich im August die Aktivität also verstärkt, während die andere Hälfte, nach Längengraden gemessen, eher noch ruhiger wurde.
Ein analoger Trend zeichnete sich in der Häufigkeit von energiereichen Ausbrüchen (englisch: flares) der Sonne ab: Nimmt man für den August die zweitstärkste Klasse M der Flares als Maßstab, so gab es mit neun M-Flares einen deutlichen Anstieg gegenüber Juli. Dies steht im Einklang mit der Zunahme der Fleckengröße und der Stärke der mit den Gruppen assoziierten lokalen Magnetfelder. Zudem traten die Flares zu Beginn und Ende August gehäuft auf, also auf der aktiven Hälfte der Sonne. Dennoch gab es keine Flares der energiereichsten Klasse X, und die Anzahl von M-Flares blieb weit hinter der aktivsten Phase des Zyklus vor mehr als einem Jahr zurück.
Abgesehen vom lebhaften Treiben der Flecken und Flares treten immer wieder sehenswerte Protuberanzen über dem Sonnenrand auf: filigrane, leuchtende Gaswolken, die im heißen Gas der Korona kondensierten und sich nun auf ruhige Magnetfelder stützen. Protuberanzen lassen sich mithilfe eines Filters für den Spektralbereich der roten Wasserstofflinie H-alpha beobachten. Vor dem Hintergrund der hellen Sonnenscheibe verraten sie sich als lange, dunkle Filamente. Wird das tragende Magnetfeld instabil, so können sich diese feinen Wasserstoffwolken loslösen und aufsteigen. Am Sonnenrand kann dies zu interessanten Veränderungen und skurrilen Formen führen (siehe »Schwebende Gasfilamente«).
Ob mit einem H-alpha-Filter oder einem selbstgebastelten Projektionsschirm hinter dem Fernrohr: Derzeit gibt es immer wieder Faszinierendes auf der Sonne zu entdecken. Und eine ruhige Woche mit wenigen Flecken bildet lediglich den Auftakt zu neuer Aktivität, die bald infolge der Rotation am Ostrand erscheint. Für alle regelmäßig Beobachtenden bleibt die Sonne also ein attraktives Objekt.
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