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News: Lauschen mit links

Sprache verarbeitet unser Großhirn mit links - die rechte Hirnhälfte übernimmt dabei den kleineren Part. Diese Asymmetrie des Gehirns ist jedoch nicht typisch menschlich: Auch Rhesusaffen haben eine Vorliebe für links - wenn sie dem Geschrei ihrer Artgenossen lauschen.
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Der französische Anthropologe und Chirurg Paul Broca und der deutsche Neurologe und Psychiater Carl Wernicke haben sich verewigt – und zwar als Namensgeber für die Sprachzentren des menschlichen Gehirns. Im 19. Jahrhundert konnten die beiden Wissenschaftler verschiedene Sprachstörungen mit bestimmten Hirnarealen korrelieren: Das Broca-Sprachzentrum regt sich beim aktiven Sprechen, während das Wernicke-Areal für das Sprachverständnis sorgt.

Inzwischen ist bekannt, dass weit mehr Gebiete der menschlichen Großhirnrinde Sprechen und Verstehen von Sprache ermöglichen, doch bereits Broca und Wernicke fiel die Dominanz der linken Großhirnhälfte bei der Sprachverarbeitung auf: 95 Prozent der Rechtshänder und 70 Prozent der Linkshänder verarbeiten Sprache mit links.

Die Fähigkeit zur Sprachverarbeitung kann in der Evolution nicht vom Himmel gefallen sein. Vorläufer von Sprachzentren müssen sich vielmehr bereits bei unseren Ahnen entwickelt haben, und diese Hirnzentren sollten ihren Trägern bereits gewisse Vorteile verschafft haben, um vor der Selektion bestehen zu können. Finden sich solche Vorläufer-Sprachzentren auch bei unseren nächsten Verwandten, den Affen?

Acht Rhesusaffen der Art Macaca mulatta sollten diese Frage beantworten. Hierzu lauschten die Tiere verschiedensten Geräuschen – klirrenden Gläser, klingelnden Glocken, tropfendem Wasser, menschlichen Stimmen oder schlicht "weißem Rauschen", also ein Dröhnen über den gesamten Frequenzbereich –, welche ihnen die Psychologin Amy Poremba von der University of Iowa vorspielte. Die Affen bekamen jedoch auch Lautäußerungen ihrer Artgenossen zu Gehör – vom zärtlichen Gurren und freundlichen Grunzen über melodisches Trillern und lautes Bellen bis hin zum schrillen Kreischen.

Unterstützt wurde Poremba von Kollegen des National Institute of Mental Health in Bethesda, denn dort stand ein Positronenemissionstomograph (PET) zur Verfügung. Hiermit ließ sich über radioaktiv markierte Glucose die Hirnaktivität der Tiere messen. Die Forscher konzentrierten sich hierbei auf den Gyrus temporalis superior, eine Großhirnwindung im Schläfenlappen, die beim Menschen das Wernicke-Areal enthält.

Die PET-Messungen offenbarten, dass die Rhesusaffen jegliche Klänge mit ihren beiden Hirnhälften verarbeiten – mit einer Ausnahme: War ein Artgenosse der Geräuschverursacher, dann hatte die linke Großhirnhälfte eindeutig mehr zu tun, egal wie unterschiedlich die Lautäußerungen auch sein mochten. Die Dominanz der linken Seite trat auch auf, als die Forscher Affenlaute mit anderen Geräuschen mischten.

Die linksseitige Dominanz verschwand jedoch, wenn beide Hirnhälften nicht miteinander kommunizieren konnten. Den Forschern standen nämlich auch drei Rhesusaffen zur Verfügung, bei denen der Balken, der beide Hemisphären miteinander verbindet, operativ durchtrennt worden war. Bei diesen Tieren regte sich ebenfalls die entsprechende Großhirnwindung, wenn sie Artgenossen hörten – jedoch rechts und links jeweils gleich stark.

Offensichtlich, so vermuten jedenfalls die Forscher, unterdrückt die linke Hirnhälfte ihr rechtes Pendant immer dann, wenn die Rufe eines Artgenossen zur Verarbeitung anstehen. Dadurch hat sich das Affenhirn auf die gezielte Wahrnehmung artspezifischer Geräusche spezialisiert – eine Spezialisierung, die für das Überleben, beispielsweise bei Warnrufen, entscheidend sein kann.

Eine ähnliche Dominanz dürfte auch bei den Vorfahren des Menschen aufgetreten sein. Damit war der Keim gelegt für die Sprachzentren des menschlichen Gehirns.

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