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Synthetische Drogen: Laute Musik lässt Ecstasy länger wirken

Laute Musik verlängert bei Ratten die Wirkung der Partydroge Ecstasy um bis zu fünf Tage. Zu diesem Ergebnis kam ein Forscherteam um Michelangelo Iannone vom Institut für Neurowissenschaften und der Magna-Graeca-Universität in Catanzaro.

Die Wissenschaftler hatten die Hirnströme der Tiere aufgezeichnet, denen sie zuvor den Ecstasy-Wirkstoff Methylendioxy-methylamphetamin (MDMA) in unterschiedlich hohen Dosen verabreicht hatten. Einige Versuchstiere beschallten sie zusätzlich mit so genanntem weißen Rauschen. Der Rhythmus des Geräusches und die Lautstärke von 95  Dezibel waren so bemessen, dass der Sinneseindruck nach Meinung der Forscher den Verhältnissen in einer Diskothek vergleichbar war.

Die Wirkung der Designer-Droge kann durch die Messung elektrischer Gehirnströme nachgewiesen werden. Bei dem als Elektro-Enzephalografie (EEG) bekannten Verfahren werden den Versuchstieren Elektroden eingesetzt, mit denen die Spannungsschwankungen des Gehirns abgeleitet werden können.

Hatten die Ratten eine hohe Dosis Ecstasy im Blut, verminderte sich die Hirnaktivität deutlich, kehrte aber nach einem Tag wieder auf das ursprüngliche Niveau zurück. Waren die Versuchstiere dagegen der Dauerbeschallung ausgesetzt, wirkte die synthetische Droge bis zu fünf Tage lang. Auch bei halbierter Dosis waren die Techno-Ratten erheblich länger im Rausch als ihre Kollegen in ruhigerer Umgebung. Laute Geräusche allein ohne die Zugabe von Ecstasy hatten dagegen keine Wirkung auf die Hirnströme der Ratten. Daraus schließen die Forscher, dass die laute Musik die Wirkung der Designer-Droge erheblich verlängert.

Ecstasy ist in der Techno-Szene ein beliebtes Aufputschmittel, da es den Konsumenten euphorische Gefühle und scheinbar unbegrenzte Energien verleiht. Es ist billig herzustellen und wird oft unterschätzt. Tatsächlich macht sein Konsum seelisch abhängig und kann unter anderem bleibende Gehirnschäden, extreme Schlafstörungen, Herzschäden und Realitätsverlust zu Folge haben.
17.02.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 17.02.2006

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