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Sommerloch heute: Lautere Beschallung macht durstig

Je lauter die Hintergrundmusik in der Kneipe, desto mehr Bier konsumieren die beschallten Zecher, berichten Verhaltensforscher aus Frankreich nach diskreten Feldstudien. Das Team um Nicolas Guéguen von der Universite de Bretagne-Sud hatte dabei drei verschiedene Bars einer mittelgroßen Stadt an drei aufeinander folgenden Samstagabenden besucht und heimlich das Trinkverhalten von ahnungslosen Kneipenbesuchern analysiert, während der eingeweihte Wirt die Erlaubnis gab, die Musik-Lautstärke gezielt nach oben und unten zu regeln.

Auch die Wissenschaft kennt ein Sommerloch. Mehr und mehr fluten dann Ergebnisse die Medien, die sonst kaum den Weg in die Berichterstattung finden. Mit der Reihe "Sommerloch heute" möchten wir Ihnen eine Auswahl präsentieren.
Insgesamt 40 männliche Kandidaten im Alter zwischen 18 und 25 Jahren, die sowohl ein gezapftes Bier bestellt hatten als auch über eine gewisse Zeit in der Kneipe verweilten, gingen letztlich in die Auswertung ein. Wie sich zeigte, erhöhte sich der Bierkonsum dieser Probanden insgesamt mit dem Heraufregeln der Musik-Lautstärke, so Guéguen. Zudem tranken die Kandidaten deutlich schneller.

Die Wissenschaftler liefern zwei Hypothesen für das lautstärkebedingte Turbozechen: Zum einen könne der Schallpegel die Kneipengänger stärker anregen, was zu beschleunigtem Konsum und einer schnelleren Bestellfrequenz führe, so Guéguen. Andererseits sei aber auch denkbar, dass die höhere Umgebungslautstärke sich "negativ auf soziale Interaktionen auswirkt – die Kneipengänger trinken umso mehr, je weniger sie sich unterhalten". Man sollte Gäste über diesen Zusammenhang aufklären und außerdem Kneipenwirte dazu anhalten, Musik eher in moderater Lautstärke zu spielen, um das Problem übertriebenen Alkoholkonsums einzuschränken, schlagen die Forscher vor. (jo)
22.07.2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 22.07.2008

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  • Quellen
Jacob, C. et al.: Sound Level of Environmental Music and Drinking Behavior: A Field Experiment with Beer Drinkers. In: Alcoholism: Clinical & Experimental Research 32(10), 2008.

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