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Sexuelle Selektion: Lautsprecher sind sexy

Im Reich der Säugetiere haben große Männchen Erfolg, weil sie laut und tief um Weibchen buhlen können. Allerdings reicht es oft auch, nur so zu tun als ob.
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Für einige Säugetiere lohnt es sich, beim Balzruf möglichst noch zu übertreiben, meinen Verhaltensforscher nach einer vergleichenden Studie. Das gilt gerade in Konstellationen mit deutlichen Körpergrößenunterschieden zwischen den Geschlechtern, denn hier bevorzugen die Weibchen meist das größtmögliche Männchen – und je lauter und tiefer er seine Vorzüge kundtut, desto mehr interessiert es sie und desto weniger kämpferische Nebenbuhler schauen wahrscheinlich vorbei. Am Ende sorgt dies wohl dafür, dass die Größendifferenzen in der nächsten Generation noch ausgeprägter werden – und dass die Balzsaison eine generell lärmende Angelegenheit ist.

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Begonnen hat dieser sich nun selbst fortschreibende Evolutionstrend wahrscheinlich, weil die Tonlage einer Stimme ursprünglich wirklich verlässliche Hinweise auf die Größe des balzrufenden Männchens erlaubte: Größere Individuen mit größerem Volumen von Kehlkopf und Vokaltrakt sind rein physikalisch prädestiniert, tiefere Frequenzen in größerer Lautstärke zu produzieren. Der Erfolg tieferer Balzrufe hat dann aber rasch dafür gesorgt, dass im Lauf der Evolution auch in eigentlich kleinen Individuen unpassend tief schallende Stimmapparate bevorzugt wurden – sich also anatomische Bauplananlagen von den Stimmen entkoppelten. Diesen Prozess haben nun Benjamin Charlton und David Reby vom University College in Dublin genauer untersucht. Sie analysierten und verglichen dazu Stimmen, Stimmanatomie und Körpergrößen von 72 landlebenden Säugetierarten im Vergleich.

Das Ergebnis ist eindeutig. Egal ob Koala, Löwe oder Schimpanse: Überall dort, wo die männlichen Vertreter einer Spezies eine zur Körpergröße eigentlich unpassend tiefe Stimme haben, zeigen die Weibchen auch eine besonders eindeutige Präferenz für größere Partner. Die Männchen solcher Spezies sind infolge der dabei ausgelösten Evolutionsprozesse aber nicht schlicht gewachsen – vor allem klingen sie nun einfach größer. Wie immer gibt es dabei natürlich auch Außenseiterstrategien: Manche eher hoch, dünn und schrill rufende Männchen einiger Arten, bei denen häufige Partnerwechsel üblich sind, stecken ihre Energie lieber in qualitativ hochwertige Spermien, die dann jene eines Rivalen ausstechen sollen.

Der Mensch gilt in diesem Zusammenhang übrigens als Sonderfall, weil sein Stimmapparat eher auf die Produktion von Sprache hin optimiert ist und nun notwendigerweise etwas kürzer ausfällt, als die anatomische Blaupause es eigentlich erlauben würde. Männer haben dafür allerdings einen recht weit abgesenkten Kehlkopf, der dann wieder vergleichsweise tiefe Stimmen zulässt – was den Homo-sapiens-Mann in eine Reihe mit balzenden Schimpansen oder Koalas stellt. Tatsächlich zeigen Studien, dass Frauen auf tiefe Männerstimmen auch positiv reagieren – die Partnerwahl hängt dann aber doch von einigen zusätzlichen Parametern ab. So bevorzugen Menschen vielleicht eher ähnlich große oder kleine Partner – oder schauen eher nach attraktiven Gesichtszügen. Ebendies könnte auch verhindert haben, dass die Vokaltrakt-Anatomie der Männer immer weiter auf eine Bassstimme ausgerichtet wird, spekulieren die Forscher, denn die Gesichter würden dadurch vielleicht jenseits der Schönheitsnorm verzerrt und für Partnerinnen womöglich unattraktiv.

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