Direkt zum Inhalt

News: Lautstarke Kühlschränke und winzige Mikrofone

Vom 14. bis 19. Mäz treffen sich Internationale Akustikforscher in Berlin zum Symposium 'Forum acusticum 1999'. Die Physiker diskutieren dort Schallphänomene, die von der computergestützten Interpretation von Stimmlagen bis hin zu Aufnahmen kauender Würmer reichen.
Die Tagung vermittelt in mancher Hinsicht den Eindruck, Akustiker seien die Alchimisten der Gegenwart. Stand im Mittelalter die Suche nach einem Verfahren, das Blei in Gold wandelt, so fahnden Wissenschaftler der Universität Göttingen nach Wegen, um mit Hilfe von Schall Kälte zu erzeugen.

Schon vor einhundert Jahren berichteten Glasbläser von einem eigenartigen Phänomen: Nahmen sie das Blasrohr mit dem heißen Glas am Ende vom Mund, um erneut Luft zu holen, hörten sie einen leisen Ton. Der Grund: Während heiße Luft durch das Rohr aus dem geformten Glasball herausströmen möchte, strebt kalte Außenluft in die Gegenrichtung. Der Gegenverkehr versetzt die Luft in Schwingung – ein Geräusch entsteht. Die Göttinger Forscher modernisierten das Verfahren, indem sie winzige elektrische Heiz- und Kühlaggregate in Röhrchen montierten. Durch die Rohrlänge kann der erzeugte Ton wie bei einer Orgel in seiner Höhe moduliert werden.

Allerdings interessiert die Physiker vom Institut für Schwingungsphysik der Universität Göttingen der umgekehrte Effekt: Sie verwenden starken Schalldruck in großen Rohrkalibern, um Kälte zu erzeugen, die mit herkömmlichen Methoden nur unter besonderem Aufwand hergestellt werden kann. "Weil das Verfahren vollständig auf bewegliche Teile verzichtet, besitzt eine solche Anlage eine fast unbegrenzte Haltbarkeit", erläutert Georg Müller, Entwickler der Schallkühlung. So werde besonders in den USA intensiv an solchen Methoden geforscht, um Methan in eine flüssige Transportform bei etwa 110 Kelvin zu überführen.

Ein weiteres Novum der Tagung: Das Audiounternehmen Sennheiser präsentierte das kleinste Mikrofon der Welt – kaum größer und länger als ein halbes Streichholz. Dazu Wolfgang Niehoff, Forschungsleiter bei Sennheiser: "Das Gerät verzichtet ganz auf metallische Teile." Im Wesentlichen besteht es aus zwei dünnen Platindrähten, die von einem Strom durchflossen werden. Dabei erwärmt sich das Material etwas, was sich auf den elektrischen Widerstand auswirkt. Wenn Schallwellen über den Draht streichen, kühlen sie ihn ein wenig ab, und der Widerstand wird beeinflußt. Die Schwankungen werden zur Tonübertragung genutzt. Noch liegt die Qualität allerdings auf dem Niveau eines Telefongespräches.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte