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Im Medizinschrank: Lavendelextrakt – Einschlafhelfer oder Geldverschwendung?

Wer abends schwer zur Ruhe kommt, kann zu pflanzlichen Einschlafhilfen wie Lavendel greifen. Hilft das lila Aroma wirklich, besser ein- und durchzuschlafen?
Lavendelblüten und -kissenLaden...

Tabletten gegen Kopfweh und Magenschmerzen, Salben für Brandwunden und Sportverletzungen – eine ordentliche Hausapotheke ist umfassend ausgestattet. Doch was für Wirkstoffe stecken eigentlich in den Medikamenten? Welche Mittel helfen wirklich, was ist umstritten? Und gibt es vielleicht eine gesündere Alternative? Wir werfen regelmäßig einen Blick auf die Mittel im Medizinschrank. Dieses Mal: Lavendelextrakt, der beim Einschlafen helfen soll.

Wer kauft das?

Frühjahrsmüdigkeit, Corona-Blues, Zeitumstellung: kein Wunder, dass Schlafprobleme verbreitet sind. Rund 34 Millionen Menschen in Deutschland schlafen schlecht. In den vergangenen zehn Jahren sind Schlafstörungen bei Berufstätigen um 66 Prozent häufiger geworden. Wer nachts nicht zur Ruhe kommt, probiert es oft mit pflanzlichen Schlafmitteln, etwa aus Lavendel. Im ersten Halbjahr 2020 setzen Apotheken mit rezeptfreien Beruhigungsmitteln 144,8 Millionen Euro um.

Wie wirkt das und wie gut?

Weichkapseln zum Einschlafen enthalten ätherische Öle aus den lilafarbenen Blüten der Heilpflanze Lavendula angustifolia. Die Hersteller erklären die Wirkung so, dass das Lavendelöl Linalool Nervenrezeptoren im Körper so beeinflusse, dass dieser weniger Stresshormone ausschüttet. Japanische Forscher sehen das anders. Ihrer Meinung nach wirkt Lavendel nur als Aromatherapie über seinen Duft, zum Beispiel als Öl im Badewasser, als Blüten im Tee oder als Spray auf dem Kopfkissen.

Was sind häufige Nebenwirkungen?

Wer Weichkapseln mit Lavendel einnimmt, muss mit Aufstoßen, Blähungen und anderen Magen-Darm-Beschwerden rechnen. Ein bis zehn Prozent der Nutzer reagieren allergisch. Für Kinder sind die Kapseln tabu. Ebenso für Schwangere und Stillende, weil hier keine Daten vorliegen. Die »Neurologen und Psychiater im Netz« warnen, dass auch pflanzliche Schlafmittel nur nach Rücksprache mit dem Arzt zum Einsatz kommen sollten.

Was ist die Alternative?

In der Leitlinie für Ärzte sind pflanzliche Einschlafhelfer wie Baldrian bei Schlafstörungen nicht empfohlen: Die Datenlage sei »unzureichend«. Für erholsamen Schlaf rät die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin zu einem bequemen Bett, einem abgedunkelten, kühlen Schlafzimmer, strikten Zubettgeh- und Aufstehzeiten und regelmäßigem Sport. Wer schlecht schläft, möge abends auf Alkohol sowie nachmittags auf Kaffee verzichten, Entspannungstechniken lernen und nachts bloß nicht auf die Uhr schauen.

Wann sollte man doch zum Arzt gehen?

Zum Arzt gehen sollten Schlaflose, wenn die Ein- oder Durchschlafstörungen länger als vier Wochen anhalten, dreimal pro Woche oder öfter auftreten und die Tagesform spürbar beeinträchtigen. Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt. Er kann verschreibungspflichtige Mittel wie Benzodiazepine verordnen.

Die perfekte Hausapotheke

  • Hinein sollten auf jeden Fall: sterile Kompressen, Mullbinden, Verbandpäckchen und -watte. Ebenso diverse Pflaster, ein Dreiecktuch und Klammern, um Verbände festzustecken. Zudem ist es sinnvoll, eine Schere, ein Fieberthermometer, Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel parat zu haben.
  • Hilfreich sind die Regeln für erste Hilfe und eine Liste mit den wichtigsten Rufnummern (112, ärztlicher und zahnärztlicher Bereitschaftsdienst, Apothekennotdienst). In einer Notsituation vergisst man solche Nummern schnell.
  • Standardmedikamente sind Mittel gegen Herpes, Sodbrennen, Magenschmerzen, Durchfall oder Verstopfung, Fieber, Halsweh, Kopfschmerzen. Ebenso ratsam: Salben, die Brand- oder Sportverletzungen lindern.
  • Verschreibungspflichtige Arzneien wie zum Beispiel Blutdruckmittel oder Opiate gehören hingegen nicht in die Box.
  • Dunkel, kühl und trocken – so ist der perfekte Ort für die Hausapotheke. Bestenfalls steht sie also im Schlafzimmer oder Flur, nicht im Bad oder in der Küche.
  • Um Kinder zu schützen, sollte die Box abschließbar sein.
  • Für was war das noch gleich? Notizen auf der Verpackung und die Beipackzettel helfen.
  • Und wichtig: Prüfen Sie mindestens einmal im Jahr, ob noch alles drin und haltbar ist.

Alle Teile der Serie finden Sie auf der Sammelseite »Im Medizinschrank«.

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