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Paläontologie: Lebend gebärende Urfische

Panzerfisch
Sie zählen zu den ersten Wirbeltieren, die Kiefer ausbildeten: die Panzerfische oder Plattenhäuter (Placodermen), mittlerweile ausgestorbene, fischartige Lebewesen des Erdaltertums. Lange Zeit galten sie als zeitgenössische Verwandte oder Vorfahren der Knorpelfische – zu denen die Haie und Rochen zählen – wie auch der Knochenfische – der großen Menge heutiger Fische. Die Knorpelfische bringen ihren Nachwuchs meist lebend zur Welt, die Knochenfische legen dagegen überwiegend Eier, die außerhalb des Körpers befruchtet werden. Neuere Fossilienfunde deuten nun darauf hin, dass bereits einige Panzerfische lebend gebärend waren.

Deshalb untersuchten Wissenschaftler um John Long von der Australian National University sowie der Monash University nun erneut zwei Fossilien von Incisoscutum ritchiei – einem Panzerfisch, dessen versteinerte Überreste in der Gogo-Formation im Westen Australiens entdeckt wurden. Bisher hielten Paläontologen die kleinen Fische, die sie in einem der Exemplare fanden, für Mageninhalt. Allerdings gehörten sie zur selben Art und wiesen auch keine Bissspuren auf. Anderen Fossilienfunden zufolge gab es noch mindestens zwei andere Panzerfischarten, die keine Eier legten.

Bei dem zweiten Fossil von I. ritchiei konnten die Forscher zudem eine hakenartige Struktur am Beckengürtel ausmachen, eine röhrenförmig eingerollte, umgewandelte Bauchflosse, die als männliches Begattungsorgan gedient haben könnte, wie sie ähnlich auch Haie besitzen. Das deutet auf eine innere Befruchtung hin.

Ob auch die Knochenfische zunächst so eine Struktur besaßen, vielleicht sogar ein Erbe der Placodermen, diese im Gegensatz zu den Knorpelfischen jedoch wieder verloren, darauf wollen Long und seine Kollegen sich nicht festlegen. Sie halten es dagegen für möglich, dass das Lebendgebären – die Viviparie – bei den Fischen mehrfach entstand. Zudem vermuten sie, dass diese Reproduktionsweise damals weiter verbreitet war als bisher gedacht.

Sandra Czaja

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