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Deutschland: Lebenserwartung während der Corona-Pandemie teils stark gesunken

In Deutschland hat sich die durchschnittliche Lebenswartung verändert, sagen Bundesstatistiker. Grund ist die Corona-Pandemie. Dabei sind einige Bundesländer stärker betroffen als andere.
Passanten in der Münchner Fußgängerzone im Juli 2022.
Anfang Juli 2022 strömten Passanten durch eine Fußgängerzone in München. Zur gleichen Zeit lag die Corona-Inzidenz vergleichsweise hoch.

Die durchschnittliche Lebenserwartung ist während der Corona-Pandemie in einigen Bundesländern deutlich stärker gesunken als in anderen Teilen der Republik. »In der Betrachtung zwischen 2019 und 2021 haben die südlichen Regionen Ostdeutschlands die stärksten Rückgänge verzeichnet«, sagte Markus Sauerberg vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung am Mittwoch in Wiesbaden. Die ermittelte Lebenserwartung bezieht sich jeweils auf die im entsprechenden Jahr geborenen Menschen.

In den besonders von Corona-Wellen betroffenen Bundesländern Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen lag nach den Berechnungen der Experten die durchschnittliche Lebenserwartung von neugeborenen Jungen 2021 im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie rund eineinhalb Jahre niedriger, bei neugeborenen Mädchen etwas mehr als ein Jahr.

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Am anderen Ende der Skala stehe Schleswig-Holstein. Dort verlängerte sich die Lebenserwartung den Angaben zufolge zwischen 2019 und 2021 bei den neugeborenen Jungen sogar um 0,2 Jahre, während es bei den Prognosen für die neugeborenen Mädchen mit einem Minus von 0,2 einen vergleichsweise geringen Rückgang gab.

Deutschlandweit sank die Lebenserwartung im Verlauf des ersten Corona-Jahres 2020 bei Jungen um 0,2 Jahre auf 78,49 Jahre und bei Mädchen um 0,1 Jahr auf 83,36 Jahre, wie aus den Berechnungen hervorgeht. Als 2021 die Alpha- und Deltavarianten dominierten, sei sie bei Jungen um weitere 0,4 und bei Mädchen um 0,3 Jahre gesunken. Vor dem Beginn der Pandemie war die Lebenserwartung in Deutschland jährlich um etwa 0,1 Jahre gestiegen.

Statistische Werte, die eigentlich für Kriegszeiten typisch sind

Eine sinkende Lebenserwartung von mehr als einem Jahr ist nach Einschätzung der Experten außerhalb von Kriegszeiten sehr ungewöhnlich. »Rückgänge in dieser Größenordnung wurden letztmals zum Ende der DDR verzeichnet«, erklärt der Forschungsdirektor am Bundesinstitut Sebastian Klüsener laut einer Pressemitteilung. Die starken regionalen Unterschiede seien unter anderem mit der Infektionslage, den ergriffenen Coronamaßnahmen und dem Verhalten der Bevölkerung zu erklären. Auch die Nähe zu stark betroffenen Nachbarländern wie etwa Tschechien und Polen spiele eine Rolle.

In diesen beiden Ländern sei die Lebenserwartung allerdings deutlich stärker gesunken als in den ostdeutschen Bundesländern, in denen besonders viele Menschen an Corona erkrankt waren. In Tschechien und Polen ging bei den Männern die Lebenserwartung um zwei und 2,4 Jahre zurück, bei den Frauen um 1,5 und 2 Jahre.

Für die Lebenserwartung wird ermittelt, welche durchschnittliche Lebenslänge Neugeborene erreichen würden, wenn die in einem Jahr verzeichneten altersspezifischen Sterblichkeitsraten über die nächsten 115 Jahre konstant gehalten würden. (dpa/kas)

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