Positiver Affekt: Lebensfreude lässt sich trainieren

Klassische Psychotherapien lenken den Blick oft auf negatives Erleben und was sich dagegen tun lässt – sei es Angst, Grübeln oder psychische Belastungen. Forschende aus den USA haben nun eine neue Behandlung erprobt, die stattdessen gezielt Lebensfreude und das neuronale Belohnungssystem in den Mittelpunkt stellt.
Das Team um die Psychologin Alicia Meuret von der Southern Methodist University in Dallas untersuchte 98 Patientinnen und Patienten im Alter von 18 bis 65 Jahren, die angegeben hatten, nur noch selten Freude, Interesse oder Begeisterung zu verspüren, und die mindestens mittelschwere Symptome einer Depression oder Angststörung zeigten. Alle klagten darüber, dass ihre Beschwerden sie daran hinderten, den Alltag wie gewohnt zu gestalten.
Per Zufall wurden die Teilnehmenden einer von zwei Behandlungen zugeteilt. Eine der Therapien war stark auf positive Gefühle ausgerichtet (»Positive Affect Treatment«): Diese Gruppe sollte beispielsweise positiv besetzte Aktivitäten planen und sich erfreuliche Situationen in der Zukunft vorstellen. Sie lernte zudem, angenehme Ereignisse bewusst zu erleben und emotional auszukosten, die Aufmerksamkeit auf positive Aspekte zu lenken sowie Mitgefühl und Freundlichkeit zu kultivieren. Auch ging es darum, den Zusammenhang zwischen dem eigenen Handeln und positiven Konsequenzen besser zu erkennen.
In der Vergleichsgruppe standen etablierte Bausteine aus der verhaltenstherapeutischen Angst- und Depressionsbehandlung im Vordergrund. Diese Teilnehmenden sollten etwa die Konfrontation mit gefürchteten oder gemiedenen Situationen suchen, verzerrte gedankliche Bewertungen und Ängste bearbeiten sowie Atemübungen lernen, um körperliche Erregung zu reduzieren. Elemente wie das Planen angenehmer Aktivitäten sind zwar auch Bestandteil klassischer Therapien, wurden in der Studie aber bewusst ausgelassen. Beide Behandlungen bestanden aus 15 wöchentlichen Einzelsitzungen.
Die klinische Symptomatik – gemessen an fehlenden positiven Gefühlen, Freudlosigkeit, Depressivität und Ängsten – ging in der ersten Gruppe stärker zurück als bei jenen, die vor allem negatives Erleben zu bearbeiten hatten. Dieser Vorteil bestand auch noch einen Monat nach Therapieende. Laut Fragebogen verbesserten zudem beide Behandlungen die Fähigkeit, auf schöne, belohnende Erfahrungen positiv zu reagieren und auch mit belastenden oder angstauslösenden Situationen umzugehen. Die Autorinnen und Autoren schlussfolgern, dass die gezielte Stärkung von positivem Affekt ein vielversprechender Weg ist, um Depressionen und Angststörungen zu behandeln.
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