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News: Leichtgewicht trotz Appetit

Schwindet die Muskelmasse trotz normaler Kalorienzufuhr wie Fett in der Sonne, geht es nicht mit rechten Dingen zu. Welches Protein die Muskeln vergehen lässt, ist jetzt zumindest bei Mäusen bekannt. Ob es auch bei der menschlichen Krankheit Kachexie beteiligt ist, muss die Zukunft allerdings noch weisen.
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Wovon viele Menschen träumen, ist für Patienten mit der Krankheit Kachexie ein Alptraum: Trotz ungezügeltem Appetit und unveränderter Kalorienaufnahme purzeln die Pfunde in rasantem Tempo. Etwa fünf Prozent ihres Körpergewichts verlieren die Betroffenen in nur 30 Tagen. Was vielleicht wie eine Wunderdroge zum Abnehmen klingt, ist allerdings äußerst gefährlich. Denn neben den Fettpolstern schwindet auch dringend benötigte Muskelmasse dahin, oft mit tödlichem Ausgang.

Um den zugrundeliegenden Kreislauf näher unter die Lupe nehmen zu können, wandten sich Wissenschaftler um Se-Jin Lee von der John Hopkins University unserem kleinen Säugerverwandten – der Maus – zu. Hier hatten sie in früheren Arbeiten bereits gezeigt, dass ein Protein namens Myostatin für das Muskelwachstum eine entscheidende Rolle spielt. Mäuse, denen das Gen für Myostatin entfernt worden war, entwickelten mehr Muskeln als normale Mäuse.

Bis jetzt waren sich die Wissenschaftler nicht sicher, ob das Muskelgen auch bei ausgewachsenen Tieren eine Veränderung hervorrufen könnte. Um dies herauszufinden, kreierte das Team zelluläre Proteinfabriken, indem sie Hamsterzellen dazu brachten, das Myostatin in großen Mengen zu produzieren. Anschließend implantierten die Forscher die hart arbeitenden Hamsterzellen in Mäuse, wo sie einen regelrechten Schwall des Proteins freisetzten.

Die so veränderten Tiere reagierten mit dramatischen Gewichtsverlusten, und dies, obwohl sie sich von ihren normalen Artgenossen nicht die Butter vom Brot nehmen ließen. Im Vergleich dazu verloren Mäuse, bei denen die "Turbohamsterzellen" gleichzeitig einen spezifischen Hemmstoff für Myostatin produzierten, signifikant weniger Gewicht als ihren abgemagerten Artgenossen.

Damit scheint nun erstmals ein passender Kandidat für den ungewöhnlichen Gewichtsverlust gefunden worden zu sein, bei dem selbst ein gesunder Appetit zum Abnehmen führt. Denn alle bisherigen Verdächtigen, die den Ruf genießen, bei Mäusen für ungewollte Schlankheitskuren zu sorgen, reduzieren gleichzeitig den Appetit.

Da Myostatin der einige Kandidat ist, der den Nagern offensichtlich nicht den Appetit verdirbt, ziehen die Wissenschaftler nun Parallen zur menschlichen Erkrankung Kachexie. Ob die Ähnlichkeiten nur oberflächlich sind, oder ob Myostatin in diesem Zusammenhang wirklich eine Rolle spielt, ist trotzdem nicht sicher. "Basierend auf dem, was wir über Myostatin wissen, sind wir der Hoffnung, dass es involviert ist. Aber bis jetzt haben wir keinen direkten Beweis dafür", beschreibt Lee den momentanen Forschungsstand. Die nächsten Experimente sind im Gange.

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