Direkt zum Inhalt

News: Leukämie durch Gentherapie mit Retroviren?

Ein mit Retroviren gentherapeutisch behandeltes Kind hat Leukämie-ähnliche Krankheitsanzeichen entwickelt, berichten die betreuenden Wissenschaftler des Hôpital Necker in Paris. Der Patient leidet an schwerem kombinierten Immundefekt (SCID). Ihm sowie neun weiteren Kindern hatten die Forscher gesunde Formen des dafür verantwortlichen defekten Gens eingeschleust, und bisher waren keine Nebenwirkungen zu beobachten.

Bei einer Routineuntersuchung stellten die Ärzte nun aber eine deutlich vermehrte Zahl bestimmter Immunzellen fest, die ihren genetischen Ursprung offensichtlich in jenen Regionen hatten, in denen sich das Virus samt dem gesunden Gen in das Erbgut integriert hatte. Diese Region wird bei bestimmten Leukämievarianten im Kindesalter übermäßig abgelesen. Eine familiäre Veranlagung für Krebs könnte außerdem zu dem jetzigen Zustand beigetragen haben, erklären die Forscher. Nach dem Befund stoppten sie sofort die gentherapeutische Behandlung ihrer Patienten und warnten auch andere Wissenschaftlergruppen, die mit Retroviren arbeiten – einige davon unterbrachen ihre Versuche daraufhin ebenfalls.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte