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Leverkusen: Folgen der schweren Explosion noch unklar

In Tanks im Leverkusener Chempark ereignete sich eine verheerende Explosion. Ob toxische Stoffe entstanden sind, ist ungeklärt. Ein Experte versucht, das Geschehen zu rekonstruieren.
Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr stehen am 27. Juli 2021 unweit einer Zufahrt zum Chempark, über dem eine dunkle Rauchwolke aufsteigt.

Bei einer verheerenden Explosion in einer Müllverbrennungsanlage im Chempark Leverkusen ist mindestens ein Mitarbeiter ums Leben gekommen. Vier weitere wurden nach dem Unglück am Dienstag nach Angaben der Betreiberfirma Currenta noch vermisst. 31 Menschen verletzten sich, fünf von ihnen wurden intensivmedizinisch versorgt. Die Ursache für die gewaltige Explosion ist unklar.

Die Explosion, die laut Zeugenaussagen noch im Umkreis von gut zehn Kilometern zu hören war, ereignete sich nach Angaben des Betreibers gegen 9.30 Uhr im Tanklager des Entsorgungszentrums Bürrig. Eine gewaltige Rauchwolke stieg auf. Nach der Explosion brannte das Tanklager mit Lösungsmitteln stundenlang, ehe das Feuer am Mittag unter Kontrolle und weitgehend gelöscht war.

In einer Pressekonferenz am Nachmittag berichtete der Leiter des Chemparks, Lars Friedrich, dass drei Tanks ganz oder in Teilen ausgebrannt wären, in denen chlorierte Lösungsmittel lagerten. Die Tanks könnten jeweils zwischen 300 und 400 Kubikmetern fassen, sie seien aber wohl nur zu 200 bis 300 Kubikmetern gefüllt gewesen. Weiter erklärte Friedrich, dass kein Löschwasser das Betriebsgelände verlassen habe. Es sei aufgefangen worden und müsse nun analysiert werden.

Ebenso liegt zurzeit keine Analyse der Rauchwolke vor. Dies würde noch einige Tage dauern. Deshalb sollten die Bürgerinnen und Bürger im Umland weiterhin Fenster und Türen geschlossen halten und das Haus nicht verlassen. Ebenso sollten sie verdächtige Niederschläge nicht berühren und den Behörden melden.

Mögliche Folgen der Explosion

Ob durch die Explosion toxische Stoffe in die Luft gelangt sind, ist unklar. Der Human- und Umwelttoxikologe Daniel Dietrich von der Universität Konstanz geht anhand der bisher veröffentlichten Bilder davon aus, dass »zunächst eine explosive Verpuffung (weiße Rauchwolke) stattgefunden hat«. Weiter vermutet Dietrich laut einer Presseaussendung des Science Media Center (SMC), dass die Lösungsmittel womöglich durch die Löscharbeiten nur unvollständig verbrannt und so Nebenprodukte entstanden sein könnten. Dies führte »voraussichtlich zu polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffverbindungen, wie Benz(a)pyrenen, aber auch geringsten Mengen an polychlorierten Aromaten, wie Dibenzofuranen und Dioxinen«. Diese beiden Stoffklassen sind toxisch und sollten nicht eingeatmet werden. Dietrichs Annahme ist bisher nicht durch Messungen bestätigt.

Bis eine genaue Analyse vorliegt, wurden die Anwohner vorsorglich aufgefordert, geschlossene Räume aufzusuchen sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ordnete das Ereignis in die Warnstufe »Extreme Gefahr« ein. Wegen des möglichen Schadstoffausstoßes warnte die Stadt die Anwohner darüber hinaus vor dem Verzehr von Obst und Gemüse aus dem Garten. Eine Einschätzung, ob in den Niederschlägen nach dem Brand »relevante Stoffe« zu finden seien, ist nach Auskunft des Landesumweltamts (LANUV) noch nicht möglich.

Der Chempark ist nach Unternehmensangaben einer der größten Chemieparks Europas. An den drei Standorten Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen sind mehr als 70 Firmen angesiedelt. (kas/dpa)

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