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News: Licht aus - Spot an

Sollten Sie zufällig in Frankfurt am Main wohnen, könnte es sein, daß sie am heutigen Abend kurz vor 19 Uhr ein helles Licht am Himmel entdecken. Dafür verantwortlich sind weder übernatürliche Phänomene noch Ufos, sondern russische Kosmonauten an Bord der Mir. Mit einem Spiegel lenken sie das Sonnenlicht auf einige Städte in Nordamerika und Europa.
In den Abendstunden des 4. Februar 1999 sollen die Kosmonauten Gennady Padalka und Sergei Avdeyev das als Znamya (russisch: Fahne) bezeichnete Experiment durchführen. Sie werden einen runden Spiegel mit 25 Metern Durchmesser so ausrichten, daß er das Sonnenlicht auf den Erdball reflektiert. Ein Lichtkegel von schätzungsweise fünf bis sieben Kilometern Durchmesser wird dann einige Städte in Nordamerika und in Europa beleuchten. Für die Städte Liege in Belgien wird 18.54 Uhr Ortszeit und Frankfurt am Main 18.56 Uhr als erwartete Ereigniszeit angegeben.

Dort könnte dann ein Lichtpunkt am Himmel erscheinen, der fünf- bis zehnmal heller als der Vollmond ist. Das Schauspiel wird zwischen einigen Sekunden und einigen Minuten dauern. Während dieser Zeit versuchen die Kosmonauten, den Strahl auf ihr Ziel am Boden zu fixieren. Beobachter außerhalb des Lichtkreises sollten die Raumstation Mir als besonders hellen Punkt sehen können. Zusammen mit dem Spiegel wird sie wahrscheinlich als sich langsam bewegender Doppel"stern" erscheinen.

Das Experiment verläuft im Auftrag des Space Regatta Consortiums, eines Zusammenschlusses von sieben russischen Luftfahrts- und Industrieorganisationen. Ihr eigentliches Ziel besteht darin, eine ganze Reihe von Spiegeln mit Durchmessern von jeweils 200 Metern in 1500 bis 4500 Kilometern Höhe um die Erde kreisen zu lassen. Jeder einzelne Reflektor könnte eine ganze Stadt mit dem Hundertfachen des Vollmondlichtes bescheinen. Das Licht soll Ortschaften in Polnähe beleuchten, um die Stimmung und Produktivität der dort lebenden Menschen in den langen Wintern zu heben. Astronomen aus aller Welt befürchten dagegen eine bisher nie dagewesene "Lichtverschmutzung", die es unmöglich macht, den wirklichen Sternenhimmel ungestört zu betrachten.

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