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News: Licht aus und gute Nacht!

Wenn es Schlafenszeit wird, schalten manche besorgte Eltern ihren lieben Kleinen ein Nachtlicht an oder lassen sogar die normale Beleuchtung brennen. Doch was gut gemeint ist, stellt sich als kurzsichtig im doppelten Sinne heraus. Amerikanische Wissenschaftler haben festgestellt, daß Kleinkinder, die in beleuchteten Räumen schlafen, ein bis zu fünfmal größeres Risiko haben, später kurzsichtig zu werden.
Den Zusammenhang zwischen den Hell- und Dunkelphasen im Laufe eines Tages und der Entwicklung des Auges bemerkten Wissenschaftler zuerst bei Experimenten mit Hühnerküken. Um zu überprüfen, ob die lichtbrechenden Eigenschaften des Auges auch bei Menschen von der Umgebungshelligkeit im Kindesalter abhängig sind, untersuchten Forscher um Richard A. Stone vom Scheie Eye Institute der University of Pennsylvania 479 Kinder im Alter von zwei bis 16 Jahren. Zusätzlich befragten sie deren Eltern, ob die Kinder vor dem zweiten Lebensjahr in völlig dunklen Räumen geschlafen hatten, ob ein Nachtlicht oder die Raumbeleuchtung angeschaltet war. Weitere Fragen betrafen die aktuellen Schlafgewohnheiten, die Beleuchtungsverhältnisse am Tage in der Schule, im Kindergarten und zu Hause, sogar die Helligkeit des Tageslichtes am Wohnort und den Gebrauch von Sonnenbrillen.

Nur zwei Parameter korrellierten miteinander: Die Lichtverhältnisse beim Schlaf vor dem zweiten Lebensjahr und eine spätere Kurzsichtigkeit (Myopie). Während Kinder, die im Dunkeln schlummerten, nur in zehn Prozent aller Fälle kurzsichtig wurden, waren es 34 Prozent, wenn ein Nachtlicht gebrannt hatte. Und über die Hälfte (55 Prozent) der Kinder, denen die Eltern das Raumlicht angelassen hatten, entwickelten eine Myopie (Nature vom 13. Mai 1999).

Ob die Belichtung sich tatsächlich nur bis zum zweiten Lebensjahr auswirkt oder der sensible Zeitraum ein wenig kürzer oder länger ist, können die Forscher anhand ihres Datenmaterials nicht sicher sagen. Bis zu diesem Alter wachsen die Augen jedenfalls besonders schnell. Stone und seine Kollegen wissen auch noch nicht, ob die Belichtung die direkte Ursache für die Kurzsichtigkeit ist. "Dennoch erscheint es uns ratsam, Säuglinge und Kleinkinder ohne künstliches Licht im Schlafraum ruhen zu lassen", sagt er.

Über die klinische Bedeutung hinaus liefert die Arbeit auch eine mögliche Erklärung für die Zunahme der Myopie in der Gesellschaft. In den letzten zweihundert Jahren der zunehmenden Industrialisierung nahm der Anteil kurzsichtiger Menschen dramatisch zu. Viele Wissenschaftler sahen darin eine Folge der Naharbeit – Tätigkeiten, bei denen sich die Objekte dicht vor den Augen befinden. Auch wenn Stones Forschung eigentlich ein anderes Ziel verfolgte, erscheint es doch möglich, daß die künstlich hellere Umwelt des modernen Lebens ihren recht bedeutenden Beitrag zur Kurzsichtigkeit des zivilisierten Menschen geliefert hat.

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