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Lichteinwirkung: Licht kann Kraft spenden, aber auch krank machen

Warum es so wichtig ist, Lichteinwirkung in der Nacht zu minimieren und sie am Tag zu maximieren, untermauert die bislang größte dazu durchgeführte Erhebung. Ein Leben entgegen diesem Grundsatz macht womöglich anfälliger für psychische Erkrankungen.
Frau sitzt im Bett und reckt sich im Morgenlicht
Menschen, die nachts mehr Helligkeit ausgesetzt sind, haben häufiger psychische Erkrankungen. Im Gegensatz dazu ist mehr Licht während des Tages nachweislich mit positiven Effekten verbunden. (Symbolbild)

Ein Team um Sean Cain von der Monash University in Melbourne liefert die bislang größte Analyse zum Zusammenhang von Lichteinwirkung und mentaler Gesundheit. Dazu wertete es Aufzeichnungen von Lichtsensoren aus, die mehr als 85 000 Freiwillige sieben Tage lang an ihren Handgelenken trugen. Demnach sind Menschen, die nachts mehr Helligkeit ausgesetzt waren, häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen, darunter Depressionen, Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), Psychosen und Angststörungen. Diese Personen berichteten auch von einer schlechteren Stimmung und einem geringeren Wohlbefinden. Im Gegensatz dazu war mehr Licht während des Tages mit den gegenteiligen, positiven Effekten verbunden.

Der Zusammenhang blieb selbst dann bestehen, wenn die Autoren verschiedene Einflussfaktoren wie Alter, Fitness, Beruf, Schlafqualität und Wohnort berücksichtigten. Es war bereits zuvor bekannt, dass Licht die mentale Gesundheit beeinflusst. Die große neue Studie bestätigt diesen Befund. »Unsere Ergebnisse können enorme Auswirkungen auf die Gesellschaft haben«, sagt Cain. »Sobald die Menschen verstehen, dass die Lichtexposition eine starke Wirkung auf ihre psychische Gesundheit hat, können sie einige einfache Schritte unternehmen, um ihr Wohlbefinden zu optimieren. Es geht darum, am Tag helles Licht abzubekommen und Dunkelheit in der Nacht.«

Entscheidend für die Schlussfolgerungen war die beobachtete Dosis-Wirkungs-Beziehung: Mehr Nachtlicht geht mit einem höheren Krankheitsrisiko, mehr Tageslicht dagegen seltener mit Beschwerden einher. Jamie Zeitzer von der Stanford University hinterfragt allerdings in einem Begleitartikel, ob die verwendeten Geräte die verschiedenen Helligkeitsstufen genau erfassen können. Und auch wenn die Ergebnisse plausibel seien, lasse sich nicht ausschließen, dass eine schlechtere psychische Verfassung dazu führt, dass man tagsüber weniger Zeit im Freien verbringt und nachts länger das Licht anlässt – und nicht umgekehrt.

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