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Farbpsychologie: Lieblingsfarbe hängt von der Jahreszeit ab

Im Herbst sind dunkle Gelb-, Orange- und Rottöne besonders beliebt, weil wir diesen Farben ständig in der Natur begegnen.
Vier Jahreszeiten

Was die Modeindustrie schon lange ahnte, wurde nun auch von Wissenschaftlern festgestellt: Zu verschiedenen Jahreszeiten finden wir unterschiedliche Farben schön. Zumindest der Herbst dürfte demnach eine gute Saison für Modeschöpfer sein: Die Farben, in die das Spätjahr die Wälder kleidet, sind auch bei den Menschen besonders beliebt, wenn es draußen kälter wird. Diesen Zusammenhang konnten Karen Schloss von der Brown University und ihre Kollegen anhand einer kleinen Stichprobe nachweisen.

Farben wird seit jeher eine Wirkung auf die menschliche Psyche nachgesagt. So deuten Studien darauf hin, dass manche Farben in Gedächtnistests besser hängen bleiben als andere (wenn auch nicht unbedingt das Wort, das mit der Farbe assoziiert ist). Umgekehrt beeinflusst es auch unsere Stimmung, wie gut wir verschiedene Farben wahrnehmen können. Warum das so ist und wie unterschiedliche Farbpräferenzen entstehen, wurde bislang aber in der Forschung eher vernachlässigt.

Schloss und Kollegen rekrutierten daher Probanden, die einmal pro Saison zu ihnen ins Labor kamen, um 37 verschiedene Farbtöne zu bewerten. Zwischen Frühling, Sommer und Winter konnten die Forscher keine auffälligen Unterschiede in deren farblichen Präferenzen feststellen. Lediglich im Herbst entwickelten die Untersuchungsteilnehmer eine Affinität zu den typischen dunklen, warmen Gelb-, Orange- und Rottönen, in denen auch die Blätter von Laubbäumen erstrahlen. Helle warme Farben sowie kalte Farben wie Grün und Blau schnitten dafür in der Bewertung im Herbst schlechter ab als zu jeder anderen Jahreszeit.

Allerdings wurde dieser Zusammenhang nur anhand einer sehr kleinen Gruppe von 32 Probanden erforscht. 20 davon nahmen nach Beendigung der Studie auch noch an einer Befragung darüber teil, welche Farben sie besonders stark mit der jeweiligen Jahreszeit in Verbindung bringen, und tatsächlich wurden jene Farben, die im Herbst besonders beliebt waren, auch am stärksten mit diesem in Verbindung gebracht.

Die Natur beeinflusst Farbvorlieben

Des Weiteren überprüften die Forscher, ob sich dass Ergebnis mit der "Ecological Valence Theory" (EVT), an deren Entwicklung Schloss 2010 beteiligt war, in Einklang bringen lässt. Diese besagt, dass Menschen sich im Laufe ihrer Evolution zu jenen Farben hingezogen fühlten, die in der Natur positiv besetzt sind, etwa das Blau des Himmels oder des Wassers. Von Farben, die eine negative Konnotation haben, wie das Braun von verfaulten Früchten oder Exkrementen, sollten sich Menschen demnach eher abgestoßen fühlen. Neben evolutionären Gründen können auch persönliche Aspekte zu diesen Vorlieben und Abneigungen gegenüber gewissen Farben führen.

Dieses Konzept erweiterten Schloss und Kollegen nun, um auch die saisonalen Änderungen berücksichtigen zu können. Sie befragten weitere Probandengruppen, um eine Liste an Objekten und Ereignissen zu erstellen, die mit der jeweiligen Jahreszeit assoziiert werden. Für den Herbst waren das beispielsweise Kürbisse oder das Erntedankfest. Probanden einer zweiter Gruppe bewerteten dann jedes der 400 Objekte bzw. Ereignisse und wie stark sie dieses wirklich mit Frühling, Sommer, Herbst und Winter in Verbindung bringen.

Außerdem wurde – wiederum mit anderen Personen – erforscht, wie gerne die Teilnehmer diese saisonalen Objekte und Ereignisse mögen und welche Farben sie am meisten mit ihnen verbinden (z.B. orange mit Kürbissen). Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass die veränderten Farbvorlieben im Herbst nicht so sehr daran liegen, dass die Menschen dann dunkelorange Kürbisse oder dunkelrote Blätter lieber als zu anderen Jahreszeiten mögen – vielmehr werden diese Objekte in der Erinnerung stärker aktiviert und sind geistig präsenter, weil man im Herbst häufiger damit in Kontakt kommt als zu anderen Jahreszeiten.

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