Händigkeit: Sind Hunde links- oder rechtspfötig?

Rund 90 Prozent der Menschen nutzen bevorzugt die rechte Hand. Bei Hunden entsteht oft ein ähnlicher Eindruck: Heben sie beim Pfötchengeben immer dieselbe an, scheint das auf eine feste »Lieblingspfote« hinzudeuten. Doch das kann täuschen. Eine Studie eines Forschungsteams der Universität Bari zeigt, dass die Vorliebe für eine Seite stark von der Situation abhängt.
Für die Studie wurden 43 Hunde verschiedener Rassen untersucht, die vier Aufgaben absolvierten. Die Tests fanden in verschiedenen Umgebungen statt: bei den Tieren zu Hause, im Freien und in einem Testraum der Universität. Bei einem der Versuche sollten die Tiere ein Futterspielzeug mit einer Pfote stabilisieren, um an eine Belohnung zu gelangen. In einem anderen ging es darum, mit einer Pfote Futter unter einem Möbelstück hervorzuholen. Zwei Aufgaben erfassten Bewegungen: Auf einer Treppe und einer Plattform dokumentierten die Forscher jeweils die erste Pfotenbewegung nach unten.
Im Schnitt zeigte sich keine klare Tendenz – weder zur linken noch zur rechten Pfote. Bei Betrachtung einzelner Tiere zeigt sich jedoch ein anderes Muster: Die meisten nutzen ihre Pfoten ungleichmäßig. Welche Pfote sie bevorzugten und wie stark, hing von der Aufgabe ab. Bei Futtertests fiel die Präferenz deutlicher aus; bei gleichmäßiger Fortbewegung, die beide Körperseiten ähnlich beanspruchte, schwächer.
Welche Pfote nutzen Hunde, wenn sie ein Spielzeug festhalten (a) oder Futter unter einem Möbelstück hervorholen (b und c)?
Etwa 21 Prozent der Hunde nutzen ihre Pfoten je nach Situation ohne klare Bevorzugung. Rund 33 Prozent zeigten eine starke, konsistente Vorliebe für eine Seite. Ungefähr 47 Prozent bevorzugten mal die eine, mal die andere Seite. Männliche Hunde tendierten in einer der Futteraufgaben eher zur linken Pfote. Weibliche Tiere nutzen beide Pfoten dagegen weitgehend gleichmäßig. Ein durchgängiges Muster über alle Aufgaben hinweg zeigte sich nicht.
Die Ergebnisse erklären, warum frühere Studien zur Pfotenpräferenz oft zu unterschiedlichen Ergebnissen kamen. Meist prüften Forscher eine einzige Aufgabe, die nur einen Aspekt des Verhaltens erfasste. Da sich die Pfotennutzung aber je nach Anforderung ändert, liefern solche Tests kein klares Bild. Die Autoren empfehlen deshalb, mehrere Aufgaben zu kombinieren und daraus ein Gesamtmaß abzuleiten – ähnlich wie bei Händigkeitstests beim Menschen. Ob ein Hund beim Pfötchengeben immer dieselbe Pfote hebt, verrät also wenig darüber, ob er wirklich eine Lieblingspfote hat.
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