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Hirnforschung: Linker Scheitellappen versteht Zahlen

Eine physiologische Ursache der Dyskalkulie oder Rechenschwäche ist im linken Scheitellappen zu suchen, meldet ein israelisch-britisches Forscherteam.

Die Wissenschaftler um Roi Cohen Kadosh von der Ben-Gurion-Universität des Negev hatten verschiedene Hirnareale gezielt mit transcranieller Magnetstimulation (TMS) in einem kurzen Zeitfenster stimuliert, in dem Versuchspersonen ohne Rechenschwäche einen einfachen Zahlenvergleich durchführen sollten. Durch TMS werden die Neuronen der anvisierten Gehirnregion aktiviert, was zum kurzzeitigen lokalen Funktionsverlust führt. Eine Stimulation des linken Hirnlappens der Probanden ließ ihr Zahlenverständnis auf das Niveau von Dyskalkulie-Betroffenen sinken, die parallel getestet wurden, ohne dabei durch TMS-Behandlung gestört zu werden. Stimulationen anderen Hirnareale oder dem rechten Scheitellappen hatten keine Auswirkungen auf die Rechenleistung.

Der linke Scheitellappen war schon zuvor als Verarbeitungsort mathematischer Prozesse vermutet worden. Ein direkter Nachweis, dass sein Ausfall das Zahlenverständnis beeinträchtigt, stand bis dato allerdings aus.

Unter Dyskalkulie leiden schwankenden Schätzungen zufolge etwa fünf Prozent der Bevölkerung, betroffen sind dabei sowohl Kinder als auch Erwachsene. Neben physiologischen Ursachen können auch umweltbedingte Entwicklungsverzögerungen eine Rechenschwäche bedingen. (jo)

Current Biology 17: 689-693 (2007)

©spektrumdirekt

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