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Evolution: Linksdreh schützt Schnecken vor Feinden

Die bei Schnecken seltene Variante eines links gewundenen Gehäuses könnte besseren Schutz vor Fressfeinden bieten, spekulieren Gregory Dietl von der Yale-Universität und Jonathan Hendricks von der Cornell-Universität. So haben rechtshändige Krebse mehr Schwierigkeiten, die Schale dieser Schnecken zu knacken, weshalb sie die Beute schneller links liegen lassen.

Links gewundenes Schneckengehäuse | Links gewundenes Schneckengehäuse
Die Forscher hatten 1772 fossile Gehäuse von Wellhorn- und Kegelschnecken auf Spuren von Krabbenangriffen untersucht. Bei den links gewundenen Exemplaren fanden sie erheblich weniger Verletzungsspuren als bei ihren rechtsdrehenden Verwandten. Als sie zur Probe aufs Exempel drei Schamkrabben auf linksgewundene Sinistrofulgur sinistrum losließen, gaben die hungrigen Räuber schnell auf. Als ihnen die Wissenschaftler hingegen gleich große, aber rechtsdrehende Warzige Wellhornschnecken (Busycon carica) vorsetzten, knackten munter die Schalen.

Vielleicht liegt der Vorteil der Linkswinder aber auch in ihrer Seltenheit. Dadurch hätten die Räuber weniger Erfahrung im Umgang mit der Beute und wendeten sich deshalb lieber den vertrauten rechts gewundenen Gehäuseträgern zu, so Dietl und Hendricks weiter. Dies entspräche etwa dem Vorsprung, den ein linkshändiger Tennisspieler gegenüber rechtshändigen Konkurrenten habe.

Die Linkswindung fordere aber durchaus auch Einbußen, erklären die Forscher. So erschwert eine unterschiedliche Drehrichtung, die sich auch in den Organen der Tiere widerspiegelt, die Paarung. Damit entkommt ein Schneckenlinker zwar womöglich eher den Räubern, dürfte aber seltener Elternfreuden erleben. Diese entgegengesetzt wirkenden Selektionskräfte verhinderten demnach, dass sich die Linkswindung längst im Schneckenreich durchgesetzt habe.

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