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Ornithologie: Lösen Hormone Geschwistermord aus?

Nazcatölpel
Die Küken von Nazca-Tölpeln (Sula granti) werden offensichtlich bereits im Ei darauf vorbereitet, gegen ihre später schlüpfenden Geschwister zu kämpfen – zumindest kommen sie bereits mit sehr hohen Werten des aggressionssteigernden Hormons Testosteron im Blut auf die Welt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich bei dem Erstgeborenen um ein Männchen oder ein Weibchen handelt, erklärt Martina Müller von der Wake Forest University in Winston-Salem, die mit Kollegen das Verhalten des Seevogels auf den Galapagos-Inseln studiert.

Blaufußtölpel
Blaufußtölpel | Blaufußtölpel sind deutlich friedfertiger als ihre nahen Verwandten, denn sie haben weniger Testosteron im Blut.
Nazca-Tölpel können nur ein Küken großziehen, weshalb die Erstgeborenen ihre Konkurrenz töten, um selbst zu überleben. Erhöhte Testosteronwerte konnten die Forscher daher gerade bei jenen Nestlingen nachweisen, bei denen noch ein zweites Ei im Nest lag. Dieses dient als Vorsorge, falls das erste zerstört wird oder das Küken stirbt.

Generell wiesen die Blutwerte der Nazca-Tölpel deutlich höhere Testosterongehalte auf als jene der nahe verwandten Blaufußtölpel (Sula nebouxii), die häufiger zwei Küken ohne Probleme großziehen. Die Unterschiede betrugen bis zu 300 Prozent. Auch später bleiben die Blaufuß-Tölpel generell friedlicher, so Müller, während die Nazca-Tölpel mitunter auch noch als Erwachsene durch die Brutkolonien ziehen und unvermittelt fremde Jungtiere attackieren, sofern deren Eltern abwesend sind. (dl)
20.06.2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 20.06.2008

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