Direkt zum Inhalt

Autoimmunkrankheiten: Löst das Epstein-Barr-Virus multiple Sklerose aus?

Möglicherweise hat die Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus – unter anderem Verursacher des Pfeiffer'schen Drüsenfiebers – bislang unbekannte Spätfolgen und könnte 15 bis 20 Jahre nach der Erstansteckung bei den Betroffenen multiple Sklerose auslösen.

Lange schon hatten Wissenschaftler gemutmaßt, dass das Risiko für die Autoimmunkrankheit multiple Sklerose (MS) durch externe Faktoren beinflusst werden kann. Diese Annahme wird nun durch die Ergebnisse einer Untersuchung von Medizinern um Gerald DeLorenze von der Forschungsabteilung von Kaiser Permanente im kalifornischen Oakland gestützt. Sie griffen dazu auf Daten einer breit angelegten Untersuchung aus der Zeit zwischen 1965 und 1974 zurück, bei der den Teilnehmern im Rahmen eines Gesundheitsplans Blut abgenommen und dieses eingefroren wurde. Zwischen 1995 und 1999 wurden von den damaligen Testpersonen 42 ausgesucht, die mittlerweile MS entwickelt hatten. Ihnen nahmen die Mediziner neuerlich Blut ab und verglichen es mit Proben von jeweils drei weiteren Testpersonen, die in Alter und Geschlecht mit jenen der MS-Patienten übereinstimmten.

Hauptaugenmerk der erneuten Blutbild-Analyse lag auf der Bestimmung von Antikörpern gegen das Epstein-Barr-Virus, da diese körpereigenen Proteine Auskunft über den Grad einer Infektion mit bestimmten Krankheitserregern geben können. Und tatsächlich war die Konzentration von Antikörpern gegen das Epstein-Barr-Virus in den Blutproben der MS-Patienten bedeutend höher als in jenen der gesunden Vergleichspersonen: Bei vierfach höheren Werten verdoppelte sich sogar anscheinend das Risiko für die bislang unheilbare Nervenkrankheit. In der Regel vergingen nach den Messungen zwischen dem erstmaligen Feststellen erhöhter Antikörper-Werte und den ersten Anzeichen für MS 15 bis 20 Jahre.

Der genaue Zusammenhang zwischen dem Epstein-Barr-Erreger und multipler Sklerose ist den Wissenschaftlern noch nicht bekannt. Aber die Hinweise mehren sich, dass das zur Herpes-Familie zählende Virus verstärkt Autoimmunkrankheiten auslösen kann. Es steht ebenfalls im Verdacht, an der Entstehung von Lupus erythematodes (Schmetterlingsflechte) beteiligt zu sein.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte