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Anti-Aging: Wie Tech-Millionäre das Altern austricksen wollen

Rapamycin, Ketone oder Blutplasma: Wohlhabende Biohacker aus dem Silicon Valley experimentieren in Selbstversuchen ständig mit neuen Mitteln gegen das Altern. Halten die Versprechen der Longevity-Szene?
Bryan Johnson steht in einem modernen Wohnzimmer mit einem Bücherregal und einem Fernseher im Hintergrund. Er trägt ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift "DON’T DIE".
Bryan Johnson gehört mit seinem »Blueprint«-Protokoll zu den bekanntesten Vertretern der Longevity-Szene. Er zeigt seine Anti-Aging-Experimente auch in der Dokumentation »Don’t Die: Der Mann, der unsterblich sein will«.

Bereits 2019 begann Bryan Johnson, sich selbst täglich Rapamycin zu spritzen. Das Immunsuppressivum wird normalerweise eingesetzt, um zu verhindern, dass der Körper transplantierte Organe abstößt. Der heute 48-jährige Technologieunternehmer und Risikokapitalgeber verfolgte damit jedoch ein anderes Ziel: Er wollte sein Leben verlängern.

Johnson testete verschiedene Einnahmepläne. Er probierte wöchentliche und zweiwöchentliche Injektionen aus sowie weitere Intervalle. Auch bei der Dosierung variierte er und spritzte sich fünf, sechs oder zehn Milligramm. Im September 2024 brach er seinen Selbstversuch ab. Die Vorteile hätten die Nachteile nicht aufgewogen, schrieb Johnson auf der Plattform X. Zu den Nebenwirkungen zählten wiederkehrende Hautinfektionen, eine erhöhte Ruheherzfrequenz sowie erhöhte Blutzucker- und auffällige Blutfettwerte. »Da wir keine andere Ursache fanden und Dosisanpassungen keinen Effekt hatten, beschlossen wir, Rapamycin vollständig abzusetzen«, schrieb er.

Johnson, der 2013 seinen Bezahldienst Braintree für 800 Millionen US-Dollar an PayPal verkaufte, probiert immer mal wieder neue Gesundheitsroutinen aus. Sie umfassen Medikamente, Peptide als Nahrungsergänzungsmittel, Injektionen und weitere medizinische Verfahren. Er gehört zu einer wachsenden Gruppe von Tech-Unternehmern, die versuchen, ihr Leben durch gezielte Eingriffe in den eigenen Körper zu verlängern. Sie teilen ihre Erfahrungen in den sozialen Medien oft unter dem Begriff »Longevity«.

Johnsons »Blueprint«-Protokoll, ein von ihm selbst veröffentlichter Leitfaden seiner Gesundheitsmaßnahmen und medizinischen Entscheidungen, hat er mehrfach angepasst. Er und sein Team erklärten gegenüber »Nature«, der aktuelle Schwerpunkt liege darauf, chronische Erkrankungen anzugehen, die die heutige Medizin als behandelbar, aber nicht heilbar betrachte. Fortschrittliche Diagnostik und personalisierte Therapien der nächsten Generation sollen dies ändern.

Wenn Wundermittel des Anti-Agings plötzlich wieder verschwinden

Wie bei Johnsons Rapamycin-Versuch kommt es allerdings oft vor, dass Biohacking-Influencer Präparate wieder aufgeben, die sie kurz zuvor noch als lebensverlängernd angepriesen hatten. Ein Beispiel sind sogenannte exogene Ketone. Die Nahrungsergänzungsmittel sollen den Blutzucker senken und die geistige Leistungsfähigkeit steigern. Manche dieser Mittel enthalten 1,3-Butandiol, eine Substanz, die der Körper zu Ketonkörpern umwandelt. In den vergangenen Jahren waren sie im Silicon Valley ausgesprochen beliebt und galten als Premiumprodukt für bessere Konzentration und höhere Leistungsfähigkeit.

Im März 2026 warnten jedoch der Unternehmer Tim Ferriss und der Risikokapitalgeber Kevin Rose in ihrem populären Podcast vor Präparaten mit dem Inhaltsstoff 1,3-Butandiol. Erste Daten aus Tierversuchen haben laut Ferriss darauf hingedeutet, dass die Substanz bei Mäusen eine Erkrankung hervorrufen könnte, die einer Fettleber ähnelt. »Behandelt es wie Ethanol«, mahnte er. »Als würdet ihr selbst gebrannten Alkohol trinken. Das möchte man auch nicht jeden Tag tun.« Die Befunde wurden bislang nicht in Studien am Menschen bestätigt; einige Hersteller widersprachen der Darstellung.

Die Substanz ist nur eines von vielen vermeintlichen Anti-Aging-Wundermitteln, die von Tech-Größen begeistert aufgegriffen wurden, obwohl Fragen zu Wirksamkeit und Sicherheit nicht geklärt sind. So warnte die US-Arzneimittelbehörde FDA etwa 2019 und erneut 2024 vor Infusionen mit dem Plasma junger Spenderinnen und Spender. Solche Behandlungen werden als Anti-Aging-Therapie beworben. Bryan Johnson integriert sie regelmäßig in sein Gesundheitsprogramm und erhält das Plasma unter anderem von seinem Sohn.

Pillen für ein gesundes, langes Leben? |

Die Longevity-Szene setzt auf Kreatin, Omega-3, NAD+ und andere Nahrungsergänzungsmittel. Für viele der Versprechen fehlen jedoch belastbare Studien.

Der Technologieunternehmer und Milliardär Peter Thiel erklärte bereits 2014 gegenüber Bloomberg News, er nehme Wachstumshormone ein, weil er hoffe, 120 Jahre alt zu werden. Die renommierte Mayo Clinic weist jedoch auf erhebliche Risiken hin und betont, es gebe kaum Belege dafür, dass gesunde Erwachsene durch Wachstumshormone ihre Jugendlichkeit oder Energie zurückgewinnen könnten.

Manche Persönlichkeiten aus dem Silicon Valley werben für Methylenblau, da es die geistige Leistungsfähigkeit verbessern soll. Die Substanz dient zum Färben von Textilien. Für medizinische Anwendungen ist sie nur in begrenztem Umfang zugelassen – etwa um eine seltene Bluterkrankung zu behandeln.

Auch Nikotinbeutel, die man sich in den Mund schiebt und die mitunter extrem hohe Dosen des Nervengifts enthalten, preisen manche Vertreter der Szene als Mittel an, um Konzentration und Energie zu optimieren. Auf die gut dokumentierten Risiken einer Nikotinabhängigkeit weisen ihre Befürworter deutlich seltener hin.

Wie Influencer vorläufige Longevity-Forschung vermarkten

Die wohlhabenden Longevity-Verfechter gelten manchen als Vermittler zwischen neuesten wissenschaftlichen Beobachtungen und der Öffentlichkeit. Sie verwandeln vorläufige Forschungsergebnisse oder anekdotische Beobachtungen in sogenannte »Stacks«: individuell zusammengestellte Kombinationen aus Nahrungsergänzungsmitteln, Wirkstoffen, Behandlungsprotokollen und Therapien. Oft tun sie das, lange bevor die US-Arzneimittelbehörde FDA solche Verfahren geprüft oder zugelassen hat.

»Das liegt am besonderen Einfluss der Plattformen, über die sie ihre Inhalte verbreiten«, erklärt Margje Camps von der Universität Utrecht in den Niederlanden. Die Forscherin untersucht, wie Gesundheitsinfluencer die öffentliche Wahrnehmung medizinischer Themen prägen. Denn dieser Trend birgt auch Risiken. Experten für Alterungsprozesse und Langlebigkeit warnen, dass die meisten derartigen Biohacks noch nicht in klinischen Studien geprüft wurden. Es sei unklar, ob sie tatsächlich positiv wirken oder vielleicht sogar schaden könnten.

Keine medizinische Intervention habe bisher nachweislich die menschliche Lebensspanne verlängert, indem sie direkt auf den Alterungsprozess selbst ziele, sagt Andrew Steele, Autor des Buchs »Ageless«. »Es gibt wahrscheinlich Ansätze, die auf unserem Radar sind und funktionieren könnten. Aber keiner davon wurde genauer am Menschen untersucht«, erläutert er.

Nir Barzilai ist Präsident der Academy of Geroscience und Genetiker am Albert Einstein College of Medicine in New York. Er sieht den Einfluss der Biohacker mit gemischten Gefühlen. Johnsons Selbstversuche mit verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten stützten sich meist auf eine gewisse wissenschaftliche Grundlage. »Wenn man fragt, ob er etwas einnimmt, das keinen Sinn ergibt, würde ich sagen: Nein. Diese Ansätze beruhen auf biologischen Mechanismen – aber nicht auf klinischer Evidenz«, gibt Barzilai zu bedenken.

Weder Steele noch Barzilai sind grundsätzliche Skeptiker. Beide halten es für möglich, dass einige der von den Eliten des Silicon Valley getesteten und beworbenen Protokolle die Lebensdauer und die sogenannte Healthspan – die Anzahl an Jahren ohne chronische Erkrankungen und größere altersbedingte Einschränkungen – tatsächlich verlängern könnten. Doch zurzeit fehlten dafür wissenschaftliche Belege.

Von einem »Signal-Rausch-Problem« spricht Matt Kaeberlein, Biogerontologe und Gründer des Healthy Aging and Longevity Research Institute an der University of Washington in Seattle: »In den begrenzten Daten, die wir zu diesen Interventionen haben, stecken durchaus Signale. Daneben gibt es allerdings auch sehr viel Rauschen.« Für die Öffentlichkeit sei es schwer, beides voneinander zu unterscheiden.

»Da sind all diese Tech-Gründer und prominenten Persönlichkeiten mit viel Geld, die in einer Art Schattenexperiment an sich selbst forschen«Faye Mythen, Gründerin von Reborne Longevity

Selbstversuche zur Langlebigkeit

Faye Mythen ist Unternehmerin und Gründerin von Reborne Longevity, einer Londoner Klinik für Präventionsmedizin und Langlebigkeit. Sie bezeichnet die Selbstversuche der Influencer mit enormer Reichweite als ein »Schatten-Phase-II-Problem«. Gemeint ist damit die Phase II klinischer Arzneimittelstudien, in der Fachleute die Wirksamkeit und Sicherheit eines Wirkstoffs erstmals systematisch an größeren Gruppen untersuchen. »Da sind all diese Tech-Gründer und prominenten Persönlichkeiten mit viel Geld, die in einer Art Schattenexperiment an sich selbst forschen. Und anschließend gelangen die Ergebnisse direkt in die Bevölkerung«, erzählt sie. »Diese Protokolle werden zu einer Art allgemein akzeptierter Referenz, obwohl sie das nicht sind. Um belastbare Daten zu erhalten, braucht man klinische Studien mit Tausenden und Abertausenden Teilnehmenden sowie sehr sorgfältig kontrollierte Vergleichsgruppen.«

Bryan Johnson |

Intensives Training und zahlreiche medizinische Mittel und Untersuchungen gehören zum Anti-Aging-Programm des Tech-Millionärs. Zeitweise ließ er sich zudem Blutplasma seines Sohnes übertragen.

Mythens Unternehmen untersucht bei seinen Klientinnen und Klienten Biomarker, zellbiologische Merkmale und genetische Daten, um künftige Gesundheitsrisiken abzuschätzen. Anschließend empfiehlt die Klinik individuell zugeschnittene Maßnahmen, mit denen sich eventuellen Problemen vorbeugen lassen soll. Inzwischen beobachte Mythen jedoch einen Trend: Immer häufiger kämen Menschen in die Praxis und beriefen sich dabei auf Bryan Johnson und sein Protokoll. »Die Leute fragen nach dem Blueprint oder nach einem bestimmten Molekül, bevor auch nur ein einziger Biomarker gemessen wurde.«

Andere Fachleute berichten von ähnlichen Erfahrungen. Andrew Steele erzählt, seine Frau, eine Ärztin mit Interesse an Langlebigkeitsmedizin, habe in München einen Vortrag gehalten. »Die erste Frage, die ihr gestellt wurde, betraf Bryan Johnson.«

Was die Forschung zu Longevity tatsächlich zeigt

Influencer, die Gesundheits- und Wellnessprodukte bewerben, sind nichts Neues. So hat etwa Unternehmerin Kim Kardashian für Detox-Tees und Anwendungen mit Rotlicht geworben. Doch die aktuelle Generation der Lifehacker aus der Tech-Szene unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt. Die von »Nature« untersuchten Protagonisten sind ausschließlich Männer, die ihre Entscheidungen und deren öffentliche Darstellung auf wissenschaftliche Details stützen. Indem sie auf Fachbegriffe wie Lipidprofile, Dosierungen von mTOR-Hemmern wie Rapamycin oder das biologische Alter verweisen, bedienen sie sich der Sprache der Wissenschaft, um bestimmte Maßnahmen zu bewerben – oft, ohne dass belastbare Forschungsergebnisse vorliegen. Vielen Menschen dürfte dieser Unterschied entgehen.

»Es ist normal geworden, zu glauben, dass Menschen Nahrungsergänzungsmittel brauchen«, sagt Margje Camps. Das gehöre inzwischen zum Alltag. »Man denkt: Alle nehmen sie, also brauche ich vermutlich auch welche.« Zudem verkaufen einige Influencer aus der Longevity-Szene Nahrungsergänzungsmittel unter eigener Marke auf ihren Websites und Social-Media-Kanälen. Ihr kommerzielles Interesse an den beworbenen Produkten bleibt ihren Followern dabei oft verborgen.

»Wissenschaft basiert nicht auf n = 1«Nir Barzilai, Genetiker

Rapamycin: Vielversprechende Ergebnisse, kaum Daten am Menschen

Derzeit gibt es nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen am Menschen zu Präparaten, die die Lebensspanne verlängern sollen. Das gilt auch für Rapamycin. Obwohl Bryan Johnson es inzwischen abgesetzt hat, diskutieren Menschen online weiterhin intensiv über die Substanz.

Studien haben gezeigt, dass das Immunsuppressivum die Lebensspanne von Mäusen um 23 bis 60 Prozent verlängern kann. Verantwortlich dafür scheint die Hemmung des sogenannten mTOR-Signalwegs zu sein: einer Kaskade biochemischer Reaktionen, die das Zellwachstum reguliert und mit Alterungsprozessen in Verbindung gebracht wird. Diese und weitere Studien liefern Hinweise auf eine mögliche lebensverlängernde Wirkung.

»Es wirkt bei jeder Tierart, bei der es bislang getestet wurde«, erläutert Matt Kaeberlein. Der Nachweis einer Lebensverlängerung sei beim Menschen jedoch deutlich schwieriger. Solche Untersuchungen erforderten zum einen sehr lange Beobachtungszeiträume, zum anderen seien Medikamente wie Rapamycin mit Risiken verbunden.

Bezüglich Hinweisen auf gesundheitsfördernde oder lebensverlängernde Wirkungen von mTOR-Hemmern beim Menschen verwiesen die von »Nature« befragten Forscher häufig auf eine Studie aus dem Jahr 2014. Darin untersuchten Wissenschaftler einen Rapamycin-Abkömmling namens Everolimus bei mehr als 200 Menschen ab 65 Jahren. Das Medikament verbesserte die Immunantwort auf eine Grippeimpfung. Eine Phase-II-Folgestudie ergab 2018 zudem, dass eine sechswöchige Everolimus-Kur bei älteren Menschen die Zahl ihrer Atemwegsinfektionen innerhalb des folgenden Jahres verringerte.

2023 veröffentlichten Kaeberlein und seine Kollegen außerdem die Ergebnisse einer Befragung von 333 Personen. Diese hatten Rapamycin außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete eingenommen, meist mit dem Ziel, den Alterungsprozess zu verlangsamen. Wie die Forscher schreiben, berichteten »Rapamycin-Anwender im Allgemeinen von einer verbesserten Lebensqualität«. Zugleich weisen sie darauf hin, dass die Studie ausschließlich auf Selbstauskünften beruhe. Es lasse sich zudem nicht ausschließen, dass Personen mit negativen Erfahrungen in der Umfrage unterrepräsentiert waren, weil sie das Medikament bereits abgesetzt hatten.

Welche Medikamente könnten das Leben verlängern?

Hinweise auf lebensverlängernde Effekte beim Menschen zeigen sich laut Nir Barzilai auch bei Medikamenten, die bereits zur Behandlung chronischer, altersassoziierter Erkrankungen dienen. Er nennt vier von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassene Wirkstoffe oder Wirkstoffklassen, die aus seiner Sicht altersbedingte Erkrankungen verlangsamen könnten.

Besonders große Hoffnungen setzt der Alternsforscher auf Metformin. Das preiswerte Diabetesmedikament wird seit Jahrzehnten eingesetzt. Barzilai und seine Kollegen untersuchen derzeit, ob sich damit die Entstehung oder das Fortschreiten altersbedingter chronischer Erkrankungen verzögern lässt.

Als weiteren vielversprechenden Kandidaten nennt er die Klasse der Abnehmmedikamente, die als GLP-1-Rezeptoragonisten bekannt sind. Zu ihr gehört etwa Ozempic. Diese Wirkstoffe beeinflussen womöglich auch biologische Kennzeichen des Alterns.

Die beiden anderen Substanzgruppen sind SGLT2-Hemmer, welche die Ausscheidung von Glukose über den Urin erhöhen und offenbar Herz und Nieren guttun, sowie Bisphosphonate, die die Knochengesundheit verbessern.

»Sie glauben, weil sie in ihrem Leben so erfolgreich waren, könnten sie auch das Altern besiegen«David Gems, Biogerontologe

Warum Einzelfälle keine Wissenschaft ersetzen

Allerdings befürchtet Barzilai wie viele andere Gerontologen, dass die Erfahrungsberichte einiger wohlhabender und prominenter Tech-Unternehmer letztlich mehr schaden als nutzen. »Wissenschaft basiert nicht auf n = 1«, sagt Barzilai.

Bryan Johnson und das Wissenschaftsteam hinter seinem Blueprint-Protokoll erklärten gegenüber »Nature«, dass randomisierte kontrollierte Studien zwar weiterhin den Goldstandard zur Bewertung einzelner Therapien und Interventionen darstellten. Zugleich betrachteten sie jedoch »n-of-1«-Messungen als die nächste Grenze der Forschung. Mit diesem Begriff sind Untersuchungen gemeint, die sich auf eine einzelne Person konzentrieren.

Solche Analysen ermöglichten wesentlich detailliertere Messungen, als sie in klinischen Studien praktisch durchführbar seien, argumentiert das Team. »Wir haben bereits Signale identifiziert, die über die veröffentlichte wissenschaftliche Literatur hinausgehen und erste Beobachtungen am Menschen darstellen«, erklären Johnson und seine Mitarbeiter.

Manche der bekanntesten Biohacking-Influencer könnten durchaus große Studien zu Anti-Aging-Interventionen finanzieren. Andrew Steele schätzt, dass eine ausreichend große Rapamycin-Studie mit gesunden Erwachsenen rund 50 bis 100 Millionen US-Dollar kosten würde. Das entspräche zwar nur einem Bruchteil des Vermögens einiger der äußerst wohlhabenden Vorreiter der Langlebigkeitsszene auf Social Media. Doch ob sie bereit wären, ihr Vermögen dafür einzusetzen, ist fraglich.

Die Illusion vom Besiegen des Alterns

Warum die auf Social Media geteilten, vermeintlichen Abkürzungen zu einem längeren Leben auf so großes Interesse stoßen, erklärt David Gems vom Institute of Healthy Ageing am University College London auch psychologisch. Der Biogerontologe arbeitet seit den frühen 1990er-Jahren auf diesem Gebiet. »Es vermittelt den Menschen ein Gefühl von Kontrolle«, sagt Gems. Die Vorstellung, den Alterungsprozess mit genügend Geld, Technologie und Selbstoptimierung besiegen zu können, hält er jedoch für vermessen. »Das ist Hybris von Tech-Bros. Sie glauben, weil sie in ihrem Leben so erfolgreich waren, könnten sie auch das Altern besiegen.«

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  • Quellen
  • Kaeberlein, T. et al., GeroScience 10.1007/s11357–023–00 818–1, 2023
  • Mannick, J. et al., Science Translational Medicine 10.1126/scitranslmed.aaq1564, 2018
  • Miller, R. et al., Aging Cell 10.1111/acel.12 194, 2014

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