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Mondforschung: Lunar Reconnaissance Orbiter untersucht Mondhöhlen

Mondhöhle
Einsturzkrater im Mare Tranquillitatis | Etwa 70 Meter breit und bis zu 100 Meter tief ist dieses Loch in der Mondkruste. Es entstand durch den Einsturz einer dünnen Gesteinsdecke über einem vorher vorhandenen Hohlraum, der vor langer Zeit durch flüssige Lava gebildet wurde. Das Bild wurde von der US-Mondsonde Lunar Reconnaissance Orbiter aufgenommen und zeigt im Original Details bis zu einer Größe von einem halben Meter.
Die US-Raumsonde Lunar Reonnaissance Orbiter (LRO) erkundet seit einem Jahr unseren Erdtrabanten und lieferte seitdem zehntausende von Fotos und Messdaten zur Erde. Dabei stießen die Planetenforscher auf Bildern von LRO auf tiefe Löcher im Mondboden, die eindeutig keine Einschlagkrater sind. Sie entstanden stattdessen durch den Einsturz einer Gesteinsschicht über einem vorher vorhandenen Hohlraum. Auf der Erde werden solche Gebilde als Doline oder Erdfall bezeichnet.

Zuerst waren diese Löcher auf Bildern der japanischen Mondsonde Kaguya aufgefallen, aber die noch wesentlich schärferen Bilder von LRO lassen nun Einzelheiten in Metergröße sichtbar werden. Die Höhlen im Mondboden entstanden nicht wie auf der Erde durch fließendes Wasser, das durch chemische Lösung von Gestein Höhlen auswäscht, sondern durch flüssige Lava. Auf dem Mond hat es nie flüssiges Wasser in größerer Menge gegeben, da er niemals eine dichte Atmosphäre ausbilden konnte.

Fließt heiße Lava über eine Region, so kühlt sich ihre Oberfläche rasch ab, und es bildet sich eine feste Erstarrungskruste, die den Rest des Lavastroms gut vor weiterer Auskühlung schützt. Ist die Lavakruste schließlich dick genug, so verfestigt sie sich, während unter ihr die flüssige Lava in einem Tunnel weiterläuft.

Läuft ein solcher Tunnel schließlich leer, so bleibt eine Lava-Röhre zurück, von der an der Oberfläche kaum etwas zu erahnen ist. Bricht schließlich durch ein Mondbeben oder den Einschlag eines Meteoriten die Decke ein, so wird der darunterliegende Hohlraum sichtbar.

Einsturzkrater im Mare Ingenii | Auch auf der Mondrückseite im Mare Ingenii wurden Einsturzkrater entdeckt. Hier ist das gleiche Loch in zwei sehr unterschiedlichen Beleuchtungswinkeln zu sehen, deutlich tritt der Hohlraum hervor. Die Öffnung ist rund 120 Meter breit und das Loch etwa 70 Meter tief. Das Bild wurde vom Lunar Reconnaisance Orbiter aufgenommen.
Besonders schöne Beispiele von solchen Einsturzlöchern finden sich im Mare Tranquillitatis, dem Ort der ersten Mondlandung im Jahre 1969, und im Mare Ingenii auf der Mondrückseite. Sie weisen Durchmesser von bis zu 100 Metern auf und sind bis zu 100 Meter tief. Sie könnten sich für den Bau einer bemannten Mondstation eignen, da die Astronauten durch die dicken Gesteinsschichten sehr gut vor kosmischer Strahlung und Mikrometeoriten geschützt würden, denen eine Station auf der Mondoberfläche schutzlos ausgeliefert wäre.

Die Sonde LRO hat Mitte September 2010 ihre Erkundungsphase abgeschlossen, bei der vor allem nach günstigen Orten für künftige bemannte Mondlandungen und Mondstationen Ausschau gehalten wurde. Dabei wurden auch die alten Landeplätze von unbemannten Raumsonden und der Apollo-Mondflüge wieder aufgenommen. Bei manchen der Apollo-Landeplätze ließen sich sogar die Fußspuren der Astronauten ausmachen. Nun soll sich LRO hauptsächlich der wissenschaftlichen Erkundung der Mondoberfläche widmen. Die NASA hofft, dass LRO noch mehrere Jahre in der Mondumlaufbahn durchhält.

Tilmann Althaus

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