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Geschmacksgen: Machte uns die Evolution zu besseren Schweineessern?

Nur Träger einer bestimmten Genvariante können sich für das Fleisch von Ebern erwärmen. Eine Untersuchung zeigt nun, dass die Evolution hier ihre Finger im Spiel hatte.
zwei SchweineLaden...

Vielen Menschen schmeckt das Fleisch geschlechtsreifer Eber nicht gut, andere nehmen einen süßlichen Beigeschmack wahr, und wiederum andere finden überhaupt nichts Auffälliges. Grund für die Unterschiede ist die jeweilige Variante des Gens OR7D4, der Bauanleitung für einen Geruchsrezeptor, der ganz spezifisch auf das Pheromon Androstenon reagiert – diese Substanz ist der Hauptverantwortliche für den unangenehmen Ebergeschmack.

Ein Team von Genetikern der University of Manchester um Matthew Cobb ist nun der weltweiten Verteilung der Genvarianten nachgegangen. Bei über 2200 Untersuchten aus 43 Bevölkerungsgruppen haben sie insgesamt 45 Varianten ausfindig gemacht, die in wechselnder Häufigkeit vorkommen. Insbesondere zeigte sich, dass der Anteil der Androstenon-Nichtriecher in manchen Gegenden viel höher war als im weltweiten Mittel.

Offenbar ist die Variante, die einen Menschen den Ebergeruch wahrnehmen lässt, die ursprüngliche: So sind Menschen afrikanischer Herkunft praktisch ausnahmslos in der Lage, Androstenon zu riechen. Ähnlich war es bei Neandertalern und Denisova-Menschen. Vergleichsweise niedrig ist der Anteil der Androstenon-Riecher hingegen in Asien.

Die Analysen von Cobb und Kollegen lieferten Anzeichen für eine evolutionäre Begünstigung der genetischen Varianten, dank derer ein Mensch keinen Anstoß am Ebergeruch nimmt – nicht verwunderlich, immerhin macht das ihn oder sie zu einem besseren Schweinefleischverwerter. Zu vermuten ist, dass dieser evolutionäre Vorteil mit Beginn der Schweinedomestikation vor rund 9000 Jahren in Vorderasien auftrat.

Heutzutage verhindert man den unangenehmen Ebergeschmack für all jene, die mit weniger günstigen Genen gesegnet sind, indem man den Tieren Spezialfutter verabreicht oder sie frühzeitig kastriert – eine umstrittene Praktik, zumal der Geruch nur bei jedem zehnten männlichen Tier auftritt und dann auch nur bei bestimmten Zubereitungsarten des Fleischs. Die relative Seltenheit erklärt vermutlich auch, warum sich die genetische Anpassung nicht mit Windeseile durch alle Schweine züchtenden Populationen verbreitet hat.

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